Die Zahl in B8 oder B20 nennt den Zinnanteil der Bronze: B8 besteht aus 92 % Kupfer und 8 % Zinn, B20 aus 80 % Kupfer und 20 % Zinn. B20 klingt meist wärmer, komplexer und lebendiger, B8 heller, direkter und fokussierter. Besser oder schlechter ist keine der beiden Legierungen: Wie ein Becken klingt, hängt mindestens ebenso stark von Dicke, Hämmerung, Form und Oberfläche ab, und beim Gebrauchtkauf zählen Zustand und Klang mehr als der Legierungsname.
Die Legierungen im Überblick
Fast jedes Schlagzeugbecken besteht aus einer Zinnbronze. Zinn macht das Kupfer härter und gibt ihm die Fähigkeit, lange und vielschichtig nachzuschwingen. Je mehr Zinn, desto komplexer wird tendenziell das Obertonbild.
| Legierung | Zusammensetzung | Typischer Charakter | Wo sie vorkommt |
|---|---|---|---|
| B20 | ca. 80 % Kupfer, 20 % Zinn | warm, weich, viele Obertöne, breiter Frequenzbereich, dynamisch | Mittel- und Oberklasse, Profiserien, handgehämmerte Becken |
| B15 / B12 / B10 | ca. 85-90 % Kupfer, 10-15 % Zinn | dazwischen: etwas Brillanz, etwas Komplexität | einzelne Serien einiger Hersteller |
| B8 | ca. 92 % Kupfer, 8 % Zinn | hell, silbrig, fokussiert, schnelle Ansprache | Einsteiger- und Mittelklasse, aber auch gute Profiserien |
| Messing | Kupfer mit rund 40 % Zink | warm, aber dumpf, kaum Schimmer | nur sehr günstige Einsteigerbecken |
| Neusilber | Kupfer, Nickel, Zink | hell, ohne die Sensibilität der Zinnbronzen | früher häufiger, heute eher bei Gongs |
Die Zwischenwerte sind Richtwerte und je nach Serie unterschiedlich; Hersteller geben sie nicht immer an. Messing ist die billigste Basis, lässt sich leicht pressen und neigt eher zum Reißen. Es steckt praktisch nur in Anfängerbecken.
Wärmer oder heller: was B8 und B20 klanglich unterscheidet
B20 hat einen breiteren Frequenzbereich mit mehr Tiefen, einen volleren "Wash" und reagiert stärker auf unterschiedliche Anschlagsstärken. Das schätzen viele im Jazz, bei leiser bis mittlerer Lautstärke und im Studio. B8 betont die Höhen, spricht schnell an und setzt sich im Bandkontext gut durch, weshalb es auch im Rock und Metal viele Fans hat. Im Netz sind sich die meisten Quellen einig, dass die Legierung allein den Klang nicht festlegt: Zwei B20-Becken mit unterschiedlicher Dicke und Hämmerung klingen deutlich verschieden, und ein gut gebautes B8-Becken schlägt ein beliebiges B20-Becken von der Stange.
Und die Haltbarkeit?
Hier schwanken die Angaben. Manche Quellen halten B20 für rissfester, andere beschreiben B20 als zweiphasige Legierung, die härter und spröder ist und deshalb sorgfältiger verarbeitet werden muss. Als Faustregel taugt: Dicke, Verarbeitung und Behandlung spielen für die Lebensdauer eine größere Rolle als die Legierungszahl. Dünne Becken, egal aus welcher Bronze, reißen bei hartem Schlag eher als dicke.
Herstellung: gegossen, gewalzt, gehämmert
Der Weg vom Metall zum Becken beeinflusst Klang und Preis stark. Grob läuft er so ab: Die Bronze wird bei rund 1150 °C geschmolzen und gegossen, anschließend mehrfach (je nach Verfahren etwa 6 bis 12 Mal) gewalzt, dann in Form gebracht, gehämmert und zuletzt auf der Drehbank abgedreht ("Lathing"), wodurch die typischen feinen Rillen entstehen.
- B20 wird meist in kleinen Rohlingen gegossen, die dann mehrfach erhitzt, gewalzt, abgekühlt und gehämmert werden. Das ist aufwendig, jedes Becken wird etwas anders.
- B8 lässt sich in größeren Barren gießen und zu langen Blechen kaltwalzen. Aus dem Blech werden Rohlinge ausgestanzt, was gleichmäßigere Ergebnisse und günstigere Preise erlaubt.
- Handhämmerung formt Spannung und Klangfarbe jedes Beckens einzeln; Maschinenhämmerung ergibt konstante, meist hellere Becken zu niedrigeren Preisen.
- Einsteigerbecken werden oft in einem Schritt gepresst, Hammer- und Drehspuren sind dabei vielfach nur aufgeprägt.
Bronzeblech mit rund 15 % Zinn kam Ende der 1980er-Jahre als eigene Entwicklung auf den Markt: heiß gewalzt und geglüht, mit sehr gleichmäßigen Rohlingen. Hochwertige "Blechbecken" gelten heute als klanglich ebenbürtig mit vielen gegossenen Becken.
Oberflächen und Dicke
Polierte Brilliant-Oberflächen klingen etwas kontrollierter und bleiben glänzend, bis sie anlaufen. Ungedrehte oder rohe Oberflächen klingen dunkler und trockener. Schwere Becken, bei denen das Material am Mittelloch rund 2 mm und mehr misst, liegen höher in der Tonhöhe, sind lauter und sprechen träger an; dünne sprechen schnell an und haben kürzeres Sustain.
Beckentypen und Größen
| Typ | Übliche Größen | Aufgabe |
|---|---|---|
| Hi-Hat | 12 bis 15 Zoll, am häufigsten 13 bis 14 | Paar, mit dem Fuß bedient; Grundpuls und Akzente |
| Crash | 12 bis 20 Zoll, üblich 14 bis 18 | Akzente, schnelles Aufblühen und Abklingen |
| Ride | 18 bis 24 Zoll, bis 26 möglich | Taktgebung mit definiertem "Ping" und Wash |
| Splash | 6 bis 12 Zoll | kurz, hell, spritzig |
| China | 14 bis 24 Zoll | aufgebogener Rand, rauer, "trashiger" Klang |
Größere Becken sind in der Regel lauter und haben längeres Sustain. Eine größere Glocke bringt mehr Obertöne und Durchsetzung, ein Flat Ride ohne ausgeprägte Glocke klingt gedämpfter und kommt gegen lauten Bandsound schwer an. Ein Becken mit Löchern oder gestapelte Becken erzeugen Effektklänge.
Ein sinnvolles Starter-Set
Als Ausgangspunkt gelten 14 Zoll Hi-Hat, ein Ride mit 20 Zoll und ein oder zwei Crashes mit 16 bis 18 Zoll. Das deckt die meisten Stilrichtungen ab. Splash und China sind Ergänzungen, keine Grundausstattung. Wer gebraucht kauft, sollte Hi-Hat-Paare mit zueinander passenden, plan aufeinander liegenden Becken wählen.
Gebrauchte Becken prüfen: Risse, Keyholing, Verzug
Auf Fotos sieht man vieles nicht, deshalb gilt vor Ort: sehen, fühlen, hören.
Kante und Risse
Fahre mit dem Fingernagel und mäßigem Druck rund um die ganze Kante, ein feiner Riss verrät sich so. Kerben, Beulen und raue Stellen zeigen falsche Spieltechnik, etwa zu flaches Anschlagen. Auch das Licht hilft: Becken schräg gegen eine Lampe halten und die Kante entlang schauen. Bei China-Becken kann vorsichtiges leichtes Biegen des Rands versteckte Risse sichtbar machen.
- Randriss: am wenigsten kritisch und am ehesten reparierbar, solange er kurz ist.
- Riss in der Wölbung (Bow): problematischer, da er sich oft weiter ausbreitet.
- Riss am Übergang von Glocke zu Bow: hat großen Einfluss auf die Haltbarkeit und gilt als sehr kritisch.
- Riss am Mittelloch: in der Praxis meist nicht sinnvoll reparierbar, Ausschlusskriterium.
Selbst ein Haarriss bleibt beim Weiterspielen erfahrungsgemäß selten stabil. Feine Netze aus Oberflächenrissen ("Spinnennetze") und kleine Kantenausbrüche ("Flohbisse") sind Zeichen starken Verschleißes, auch wenn das Becken noch spielbar ist.
Keyholing
Wenn das runde Mittelloch zu einem Schlüsselloch ausgeleiert ist, lief das Becken über Jahre ohne Hülse und Filz direkt auf Metall. Ein leicht ausgeleiertes Loch beeinflusst den Klang kaum und ist kein automatisches Ausschlusskriterium. Stark ausgeprägtes Keyholing schwächt das Becken aber, und von hier aus entstehen später Risse. Für den Preis ist es ein Verhandlungsargument.
Verzug und Klang
Lege das Becken auf eine ebene Fläche oder halte es auf Augenhöhe: Es sollte gleichmäßig liegen. Wellen und Dellen entstehen durch Hitze oder harte Schläge und verändern Spielgefühl und Klang. Klebereste, Stickspuren und Fingerabdrücke sind dagegen rein kosmetisch. Schlage das Becken immer an, an mehreren Stellen und in verschiedenen Stärken. Ein Becken, das trotz makelloser Optik dumpf klingt oder unerwünscht zischt, ist ein Fehlkauf. Und zwei Becken derselben Serie klingen spürbar unterschiedlich, besonders bei handgehämmerten Modellen.
Reinigen und pflegen
Wichtigste Frage zuerst: Glänzend oder matt? Brilliant-Becken sind poliert und oft mit einer Schutzschicht versehen. Traditionelle, rohe oder dunkle Becken leben von ihrer natürlichen Oberfläche und Patina, die zum Klangbild gehört.
- Nach dem Spielen: mit einem trockenen, weichen Tuch (Mikrofaser oder Baumwolle) Staub und Fingerabdrücke abwischen.
- Gründlicher alle zwei bis drei Monate: lauwarmes Wasser mit wenigen Tropfen mildem Spülmittel, weicher Lappen, in kreisenden Bewegungen entlang der Drehrillen (nicht quer dazu), gründlich nachspülen und sofort trocken reiben.
- Brilliant-Finish: zusätzlich ein nicht scheuernder Beckenreiniger oder eine milde Beckenpolitur, sparsam aufgetragen. Das stellt Glanz her.
- Traditionelle Oberfläche: keine Politur, nur trocken oder leicht feucht abwischen. Politur hinterlässt Flecken und kann die Optik dauerhaft verändern.
Verzichte auf Stahlwolle, Scheuerpulver, Ammoniak und Haushaltsreiniger, auch von Essig, Zitrone und Metallpolitur ist abzuraten: Sie greifen die Oberfläche an und lösen aufgedruckte Logos ab. Manche Serien tragen einen Schutzlack; dort passt nur Beckenpflege, die dafür gedacht ist. Grünspan und starke Verfärbungen bekommst du mit der milden Seifenlösung und etwas Geduld meist besser in den Griff als mit Chemie. Wer den Glanz nicht möchte, lässt es bei der Patina, sie schadet dem Becken nicht.
Ständer, Filze und Hülsen
Die meisten Schäden entstehen am Ständer. Um die Neigerstange gehört eine Hülse aus Nylon oder Gummi, ober- und unterhalb des Beckens ein Filz, und die Flügelmutter wird nur so weit angezogen, dass sie aufliegt und das Becken beim Anschlagen frei schwingt. Zu fest gespannte Becken klingen abgewürgt und reißen am Mittelloch; ohne Hülse beginnt das Keyholing schnell. Bei der Hi-Hat sollte die Klemme (Clutch) mittelfest sitzen, damit das obere Becken frei beweglich bleibt. Ersetze abgenutzte Filze regelmäßig.
Spieltechnik und Lagerung
- Schlage Crashes streifend in einem Winkel von etwa 30 Grad, nicht frontal auf die Kante.
- Drehe Crashes gelegentlich um 180 Grad, damit die Belastung nicht immer dieselbe Stelle trifft.
- Transportiere Becken in gepolsterten Taschen mit Trennlagen und lagere sie senkrecht, nicht gestapelt, trocken und ohne Temperaturschwankungen.
Reparatur: was geht und was nicht
Kleine Randrisse bis etwa zwei Zentimeter lassen sich von Fachwerkstätten oft retten. Dabei wird der Riss ausgearbeitet oder ausgeschnitten und die Kante abgerundet, oder das Rissende mit einer Entlastungsbohrung gesichert, damit das Metall nicht weiterreißt. Das ändert Gewicht und Klang minimal. Ausgeleierte Mittellöcher können in der Werkstatt ebenfalls bearbeitet werden. Risse am Mittelloch oder viele einzelne Risse sind dagegen meist unwirtschaftlich. Bohren, Fräsen oder gar Schweißen solltest du nicht selbst versuchen: Ohne passendes Werkzeug und Erfahrung ist der Schaden schnell größer als vorher. Preise für eine Reparatur: je nach Werkstatt, Angebot einholen.
Ein reparierter Riss ist kein Ausschlusskriterium, aber ein klarer Preisabschlag, und das Becken ist für harte Beanspruchung weniger geeignet.
Preise in Deutschland
- Neu: Die Preise reichen von Einsteigersets bis zu teuren handgehämmerten Einzelbecken, und Bundles sind oft günstiger als Einzelkäufe. Vergleiche aktuelle Angebote und höre oder sieh dir das Becken nach Möglichkeit vor dem Kauf an.
- Gebraucht: Die Angebotspreise in Inseraten schwanken stark je nach Serie, Größe und Zustand, und Verkaufspreise liegen oft darunter. Vergleiche mehrere Inserate desselben Modells, bevor du dich entscheidest.
Mythen und Irrtümer
- "B20 ist immer besser": Falsch. Es ist eine klangliche Entscheidung, und gute B8-Becken sind professionell einsetzbar.
- "Gegossene Becken sind besser als Blechbecken": Irreführend, denn beide Legierungen werden gegossen; entscheidend sind Verarbeitung und Dicke.
- "Handgehämmert bedeutet automatisch gut": Nein, die Qualität hängt vom Handwerk ab, und die Streuung ist bei Handarbeit größer.
- "Schwerer ist besser": Schwerer bedeutet lauter und träger, nicht besser. Es kommt auf Stil und Raum an.
- "Ein Becken mit Riss ist Schrott": Kurze Randrisse sind oft reparierbar, Risse am Mittelloch meist nicht.
Vintage und Datierung in Kürze
Bei älteren Zildjian-Becken gibt es Anhaltspunkte: Ein aufgedrucktes "Zildjian"-Logo ist erst ab der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre üblich, Laserstempel kamen 1994, und das Mittelloch wurde in den 1950er-Jahren von etwa 7/16 auf 1/2 Zoll (rund 11 auf 13 mm) vergrößert. Brilliant-Finish tauchte 1970 im Katalog auf. Für eine genaue Einordnung zählen zusätzlich Hämmerung, Drehspuren und Glockenform. Der Wert hängt bei Vintage stark von Zustand und Seltenheit ab, ohne Prüfung durch Kenner solltest du keine hohen Preise zahlen.
Weiterführend
Alle Prüfpunkte für das komplette Set findest du in Schlagzeug gebraucht kaufen: Worauf achten. Ob ein akustisches Set oder ein E-Drum zu dir passt, klärt Akustik vs. E-Drums. Zum Klang der Trommeln selbst: Kesselmaterial bei Schlagzeugen und Schlagzeugfelle im Vergleich.