Die Bohrung ist der Innendurchmesser der Zugrohre und prägt Ansprache, Klang und Luftbedarf. Enge Bohrungen (etwa 12,2 bis 12,9 mm) sind leicht und flink und passen zu Jazz und Bigband, weite Bohrungen (13,9 mm) klingen größer und dunkler und sind im Orchester und im sinfonischen Blasorchester üblich. Für den Einstieg ist eine mittlere Bohrung um 12,7 bis 13,3 mm die sichere Wahl; die Bassposaune (rund 14,3 mm) kommt erst später als Zweitinstrument.
Was die Bohrung bedeutet und wie sie angegeben wird
Eine Posaune besteht über weite Strecken aus zylindrischen Rohren. Der Innendurchmesser dieser Rohre, vor allem im Zug, heißt Bohrung oder Mensur. Er wird in Millimetern oder in amerikanischen Katalogen in Zoll angegeben (0,500 Zoll entsprechen 12,7 mm, 0,547 Zoll entsprechen 13,89 mm). Dazu kommen die Kürzel M (mittel), ML (mittelweit), L (weit) und bei Bassposaunen Extra L.
Wo genau die Grenzen zwischen eng, mittel und weit liegen, handhaben die Angaben im Netz unterschiedlich. Manche zählen alles bis 0,525 Zoll als kleine Bohrung, andere ziehen die Grenze bei etwa 0,510 Zoll. Als Richtwert hat sich diese Einteilung durchgesetzt:
| Klasse | Bohrung | Typischer Becher | Typische Verwendung |
|---|---|---|---|
| Eng (M) | ca. 12,2 bis 12,9 mm (0,481 bis 0,508 Zoll) | ca. 7 bis 8 Zoll (180 bis 205 mm) | Jazz, Bigband, Pop, Kinder und kleine Spieler |
| Mittel bis mittelweit (M/ML) | ca. 12,7 bis 13,4 mm (0,500 bis 0,525 Zoll) | ca. 8 bis 8,5 Zoll (205 bis 215 mm) | Schule, Einsteiger, Allrounder, Blasorchester |
| Weit (L) | ca. 13,9 mm (0,547 Zoll) | ca. 8,5 Zoll (216 bis 220 mm) | Orchester, sinfonisches Blasorchester, Kammermusik |
| Extra weit (Bass) | ca. 14,3 mm (0,562 Zoll) | ca. 9,5 bis 10,5 Zoll (240 bis 267 mm) | Bassposaune in Orchester, Big Band, Blechbläserensemble |
Die Angaben sind Richtwerte: Je nach Hersteller und Messung weichen Katalogwerte leicht ab, und ein Instrument kann durch seine Bauweise größer oder kleiner spielen, als die Zahl vermuten lässt. Eine Posaune mit 0,500 Zoll kann deutlich "größer" klingen als eine andere mit gleichem Wert. Dazu kommen Sonderbauten wie Dual-Bore-Züge, bei denen der Innenzug etwas enger ist als der Außenzug. Das gibt einen Klang zwischen den Welten.
Klang, Ansprache, Ausdauer und Lautstärke im Vergleich
Klang
Eine enge Bohrung klingt heller, fokussierter und mit mehr "Biss". Eine weite Bohrung klingt voller, dunkler und runder. Der Vergleich mit einer Jazz- und einer Opernstimme trifft es gut: Beide singen, aber sie haben ein anderes Fundament. Für die Klangfarbe zählen außerdem Becherdurchmesser, Becherblech und -material: Gelbmessing klingt eher hell, Goldmessing wärmer, Rotmessing weich und dunkel.
Ansprache und Luftbedarf
Enge Bohrungen setzen dem Atem mehr Widerstand entgegen. Töne sprechen schnell an, schnelle Artikulation gelingt leichter, aber bei hoher Lautstärke wird der Klang früher scharf. Weite Bohrungen brauchen mehr Luft und lassen sich weniger leicht "anschubsen", belohnen dafür mit gleichmäßigerem Ton in den tiefen Lagen.
Ausdauer
Häufig heißt es, kleine Bohrungen seien in der Höhe über lange Zeit leichter zu spielen. Das stimmt in vielen Fällen, ist aber keine feste Regel. Manche Spieler kommen mit einem großen, tiefen Mundstück an einer weiten Posaune höher und länger. Ausdauer hängt stark von Ansatz, Atmung und Mundstück ab, nicht allein von der Bohrung.
Lautstärke und Dynamik
Weite Bohrungen erlauben es, laut zu spielen, ohne dass der Klang scharf wird. Enge Posaunen "leuchten" bei hoher Lautstärke früher auf. Leises Spielen ist auf beiden möglich. In der Praxis wählt man die Bohrung nach der Rolle in der Gruppe: In einer Bigband werden oft stufenweise Bohrungen verwendet (erste und zweite Stimme eher enger, Bassposaune am weitesten), eine feste Regel gibt es aber nicht.
Der Schallbecher: unterschätzter Teil des Klangs
Der Becherdurchmesser reicht bei Posaunen von etwa 180 bis 270 mm und steigt grob mit der Bohrung. Jazzmodelle haben meist rund 203 mm (8 Zoll), Orchestermodelle etwa 216 bis 220 mm (8,5 Zoll), Bassposaunen 240 mm und mehr. Größere Becher geben mehr Projektion und ein breiteres Klangbild, kleinere einen konzentrierteren Ton. Einsteigerposaunen mit weiter Bohrung und kleinem Becher oder umgekehrt sind möglich, die Kombination bestimmt den Charakter.
Tenorposaune und Bassposaune
Beide stehen in B und werden im Bassschlüssel gelesen. Der Unterschied liegt in Bauweise und Rolle.
| Merkmal | Tenorposaune | Bassposaune |
|---|---|---|
| Bohrung | ca. 12,2 bis 13,9 mm | ca. 14,3 mm |
| Becher | ca. 180 bis 220 mm | ca. 230 bis 270 mm |
| Ventile | keines oder ein Quartventil (F) | meist zwei: Quartventil plus zweites Ventil (Ges oder D) |
| Gewicht (Richtwert) | ca. 1,4 bis 1,8 kg | ca. 2,3 bis 2,7 kg und mehr |
| Mundstück | Kleinschaft, in der weiten Bauweise teils Großschaft | Großschaft, größerer und tieferer Kessel |
| Rolle | Melodie, Satzstimmen, Solo, alle Stile | tiefe Stimmen, Fundament, dritte Stimme im Orchester |
Bassposaunen haben ein oder zwei zusätzliche Ventile. Das Quartventil senkt die Stimmung von B nach F, die Rohrlänge steigt dabei um rund 0,9 m. Das zweite Ventil senkt weiter auf Ges oder D. Sind beide Ventile unabhängig voneinander schaltbar, erreicht man lückenlos alle Töne bis in die Pedaltöne. Die weitere Bohrung lässt diese tiefen Töne leichter ansprechen, der Spieler braucht dafür aber mehr Luft.
Die Bauweise erklärt, warum fast alle mit der Tenorposaune anfangen: Sie ist leichter, preiswerter, es gibt die meiste Schulliteratur, und Stimmen für Bassposaune sind im Einsteigerrepertoire selten. Die Bassposaune ist praktisch immer ein Zweitinstrument für alle, die gezielt tiefe Blechstimmen in Orchester oder Big Band spielen wollen. Sie verlangt Kraft im linken Arm und größeres Lungenvolumen. Wie ein Quartventil sinnvoll wirkt, erklärt der Beitrag Quartventil, F-Ventil und Dämpfer für Einsteiger.
Das richtige Mundstück zur Bohrung
Mundstücke werden nach Rand (Durchmesser, Breite), Kessel (Tiefe, Form) und Kehle (Bohrung im Mundstück) gewählt. Die Nummern der gebräuchlichen Bach-Größen laufen "rückwärts": je höher die Zahl, desto kleiner der Rand.
- Kleine Mundstücke (12C, 11C, 7C): Innendurchmesser des Randes etwa 24 bis 25 mm, flacher bis mittlerer Kessel. Sie erleichtern die Höhe und passen zu engen Posaunen und Jazz.
- Mittlere (6½AL, 5G): etwa 25 bis 25,5 mm, mittlere Tiefe, vielseitig. Das 6½AL gilt als klassisches Einsteigermundstück.
- Große (4G, 3G, 1½G): etwa 25,5 bis 28 mm, tiefere Kessel, im Orchester beliebt.
- Bassposaune (1½G, 1G und ähnliche): Randdurchmesser etwa 27 bis 29 mm, sehr tiefer Kessel, weite Kehle, Großschaft.
Der Kessel bestimmt die Klangfarbe: flach hell, tief dunkel. Der Rand ist Komfortsache; ein zu breites oder zu kleines Mundstück ermüdet früh. Eine enge Kehle spricht schneller an und klingt brillant, eine weite Kehle erleichtert Tiefe und Lautstärke. Die Schaftgröße muss zur Posaune passen: Kleinschaft ist bei Tenorposaunen Standard, Großschaft sitzt an Bassposaunen und an manchen weiten Tenorposaunen. Wer das Mundstück wechselt, sollte mit zwei bis drei Wochen Eingewöhnung rechnen, bevor er urteilt. Bei einer gebrauchten Posaune lohnt sich ein neues, hygienisch sauberes Mundstück.
Welche Bohrung für welchen Zweck
Einsteiger
Zu Beginn, vor allem für Kinder und Jugendliche, hat sich eine kleine bis mittlere Bohrung von etwa 0,500 bis 0,525 Zoll (12,7 bis 13,3 mm) bewährt: Sie braucht weniger Luft und lässt sich einfacher zum Klingen bringen. Typische Schulposaunen haben 12,7 mm. Wer sicher ins Blasorchester oder Orchester will und körperlich groß genug ist, kann auch direkt eine Posaune mit weiter Bohrung nehmen, muss dann aber mit mehr Luftbedarf rechnen.
Jazz und Bigband
Hier sind enge Bohrungen von etwa 12,2 bis 12,9 mm, ein Becher um 203 mm, kleine bis mittlere Mundstücke und meist kein Quartventil üblich. Die Posaune ist leicht, spricht schnell an und setzt sich im Satz gut durch. Jazz auf einer weiten Posaune fühlt sich oft klobig an, Klassik auf einer sehr engen zu leicht.
Orchester
Orchesterposaunen haben meist 13,9 mm Bohrung, rund 216 bis 220 mm Becher und ein Quartventil. Die Stimmen 1 und 2 spielt man auf Tenorposaunen mit weiter Bohrung, die dritte Stimme auf der Bassposaune. Typische Beispiele sind Bach 42B (0,547 Zoll, 8,5-Zoll-Becher) und Yamaha YSL-882 (13,89 mm, 220 mm Becher). Zum Vergleich: Die Bach 36B ist mit 0,525 Zoll und 8 Zoll Becher eine mittlere Variante, die Yamaha YSL-891Z mit 12,9 mm und 204 mm eine Jazzposaune. Solche Modelle sind hier nur als Datenbeispiele aufgeführt.
Blasorchester
Im Blasorchester sind mittelweite bis weite Posaunen üblich, meist mit Quartventil, weil Stimmen oft tiefe Töne und ausgehaltene Basslinien verlangen. Ob ein Quartventil für dich Sinn ergibt, hängt vor allem von den Stimmen ab, die du spielen willst. Beim Gewicht macht es oft weniger aus als erwartet: Das Ventil ersetzt das Gegengewicht, das Posaunen ohne Ventil sonst im Stimmbogen tragen.
Preisrahmen in Deutschland
Die Preise reichen von sehr günstigen Schulposaunen bis zu Profi-Instrumenten (Stand Okt. 2026). Preislisten gliedern den Markt oft in vier Gruppen:
- Einstieg: ca. 1.200 bis 1.600 EUR (Stand Okt. 2026), darunter gibt es einfache Modelle ab etwa 140 bis 900 EUR, etwa mit 12,7 mm Bohrung.
- Fortgeschrittene: ca. 2.000 bis 2.800 EUR (Stand Okt. 2026). Neue Posaunen mit Quartventil beginnen meist bei rund 2.500 EUR oder etwas mehr, einfache Einsteigermodelle mit Quartventil liegen darunter bei etwa 1.200 bis 1.700 EUR.
- Profi: ca. 3.000 bis 4.500 EUR (Stand Okt. 2026). Eine Bach 42B liegt bei rund 4.500 EUR.
- Individualanfertigungen: ab ca. 4.500 EUR.
Bassposaunen beginnen bei etwa 1.600 EUR, gebrauchte Yamaha YBL-321 werden häufig für rund 1.500 bis 1.790 EUR angeboten (Stand Okt. 2026), hochwertige Modelle erreichen 10.000 EUR und mehr. Bei sehr günstigen Instrumenten entscheiden Verarbeitung und Zug über die Haltbarkeit; Tipps zum Gebrauchtkauf stehen im Beitrag Posaune gebraucht kaufen. Die Angaben streuen je nach Händler stark, einzelne Modelle werden auch mal um mehrere Hundert Euro unterschiedlich ausgezeichnet.
Häufige Mythen
- "Weit ist besser." Weit ist nicht besser, nur anders: Wer Jazz oder Bigband spielt, fühlt sich auf einer engen Posaune meist wohler.
- "Enge Bohrung heißt automatisch mehr Ausdauer." Nicht zwingend: Atmung, Ansatz und Mundstück zählen mehr.
- "Die Bohrung bestimmt den Klang allein." Becher, Material, Bauweise des Ventils und Mundstück prägen den Klang mit.
- "Für tiefe Töne braucht man eine Bassposaune." Eine Tenorposaune mit Quartventil erreicht die meisten tiefen Töne.
- "Wer groß ist, spielt weit." Es gibt keine feste Regel; auch Profis nutzen je nach Stimme und Klangvorstellung sehr unterschiedliche Größen.
Checkliste für die Wahl
- Zweck klären: Jazz, Orchester, Blasorchester oder Einstieg.
- Bohrung und Becher laut Datenblatt prüfen, nicht aus dem Aussehen schließen.
- Mundstück und Schaftgröße zum Instrument abstimmen.
- Mindestens drei bis vier Tage Probespiel einplanen, wenn möglich.
- Zug und Ventil prüfen und pflegen. Hinweise stehen im Beitrag Zugpflege bei der Posaune: Creme oder Spray.
- Gewicht und Balance beim Spielen testen; ein Schwerpunkt über der Schulter wird als angenehm empfunden.