Eine Bassklarinette greift sich wie eine B-Klarinette, ist aber ein ganz anderes Kaufobjekt: mehr Mechanik, mehr Gewicht, mehr Material, deutlich höhere Preise und ein kleiner Gebrauchtmarkt. Bei der Prüfung zählen vor allem Risse, die Einstellung der tiefen Klappen, der Zustand von S-Bogen und Schallstück sowie der Stachel. Rechne außerdem mit einer Überholung, wenn das Instrument länger unbenutzt war.

Was die Bassklarinette von der B-Klarinette unterscheidet

Die Bassklarinette ist in B gestimmt und klingt eine None (Oktave plus große Sekunde) tiefer als notiert. Die Griffe entsprechen im Wesentlichen denen der B-Klarinette, deshalb wechseln die meisten Spieler erst nach einigen Jahren auf Klarinette dazu. Das Griffsystem ist fast immer Böhm; die deutsche Variante nach Oehler gibt es nur selten. Mehr dazu im Vergleich der Griffsysteme.

Aufbau

  • Mundstück und Blatt: Beide sind größer als bei der B-Klarinette und nicht mit ihr austauschbar.
  • S-Bogen statt Birne: Ein gebogenes Metallrohr verbindet Mundstück und Oberstück. Es ist oft zweiteilig, damit sich Stimmung und Anblaswinkel besser anpassen lassen. Ältere Instrumente haben teils keinen Stimmzug; zum Stimmen muss dann der ganze Hals aus dem Korpus gezogen werden.
  • Korpus: Meist zwei Teile (Ober- und Unterstück) aus Grenadill oder ABS-Kunststoff.
  • Schallstück: Es ist aus Metall und nach oben gebogen. Holz-Schallstücke gibt es zunehmend.
  • Stachel: Das Schallstück hat einen Schlitz für einen höhenverstellbaren Stachel, der das Gewicht im Sitzen am Boden abstützt. Im Stehen brauchst du einen Trageriemen oder ein Gurtsystem.

Maße und Gewicht

Die Gesamtlänge liegt bei grob 1,2 bis 1,4 m, das Gewicht je nach Modell und Material bei etwa 2,5 bis 4,5 kg, die Bohrung bei ungefähr 24 bis 26 mm. Die Zahl der Klappen schwankt, je nach Modell findest du 20 bis 25. Die Angaben sind Richtwerte, die Streuung zwischen Modellen ist groß.

Tief Es oder tief C

Kürzere Modelle reichen bis zum tiefen Es, längere bis zum tiefen C. Beide Varianten sind im Gebrauchtmarkt vertreten.

  • Tief Es: Leichter und handlicher, auch im Stehen bequemer. Für Schulorchester, Big Band, Blasorchester, Jazz und Ensemble reicht es meist aus. Es ist die übliche Wahl für Einsteiger und Fortgeschrittene.
  • Tief C: Länger, schwerer, mit einem größeren, stärker ausgestellten Schallstück und mehr Mechanik. Sinnvoll, wenn Orchester- oder Klarinettenchor-Stimmen die tiefsten Töne tatsächlich verlangen. Für ernsthaftes Orchesterrepertoire ist ein Instrument nur bis tief Es eine Einschränkung.

Prüfe vor dem Kauf, welche Stimmen du spielen willst. Wer nur Jazz oder Ensemble spielt, bezahlt für tief C häufig mehr Gewicht und Preis, als er nutzt.

Gebrauchtkauf: Das prüfst du bei der Bassklarinette

Die allgemeine Prüfung (Blick durch die Bohrung, Korken, Dichtigkeit, Probespiel mit eigenem Mundstück) findest du im Artikel zum Gebrauchtkauf einer Klarinette. Bei der Bassklarinette kommen diese Punkte dazu.

Risse

Leuchte mit einer Lampe in die Bohrung und prüfe Tonlöcher, Zapfenhülsen und die Umgebung der Klappenposten auf feine Haarrisse. Ein Riss, der durch ein Tonloch läuft, ist ein Ausschlusskriterium. Eine Rissreparatur (Verstiften, Bandagieren oder Füllen) gehört in die Werkstatt; die Kosten hängen von Lage und Länge des Risses ab, hier hilft nur ein Angebot. Bei Kunststoffkorpus entfällt das Rissrisiko weitgehend, dafür splittert ABS bei Stürzen.

Mechanik, Polster und Federn

Die langen Hebel und die vielen tiefen Klappen verstellen sich leichter als bei der B-Klarinette. Werkstätten berichten häufig, dass bei Bassklarinetten die unteren Klappen zuerst nicht mehr sauber schließen. Prüfe daher:

  • Jede Klappe muss ihr Loch vollständig decken, ohne zu klemmen. Dazu gehören besonders die Klappen am Schallstück und am Unterstück.
  • Polster: hart, verfärbt, aufgebläht oder zerfetzt bedeutet undicht. Ein kompletter Satz ist teuer, weil die Polster groß sind.
  • Federn müssen die Klappen schnell zurückholen; träge Klappen deuten auf müde oder verharzte Federn hin.
  • Verbogene Stangen, Dellen oder klappernde Klappen sind ein Kostenfaktor.
  • Abgeriebene Versilberung oder Vernickelung ist kein Funktionsmangel, eine Neubeschichtung kostet aber viel.

Das Nachstellen von Klappen, das Neubelegen und das Federntauschen sind Werkstattarbeit. Wichtig ist, dass du erkennst, dass Bedarf besteht und diesen Betrag in den Preis einrechnest.

Korken

Die Korken an den Verbindungen sollen weder verzogen noch ausgebeult noch angeknabbert sein. Zusammengesteckt sitzen sie fest, ohne zu wackeln, und lassen sich mit Korkfett leicht drehen. Der Metallhals trägt in den meisten Konstruktionen selbst keinen Kork; Fett gehört nur auf Korkflächen, nicht auf blankes Metall.

S-Bogen und Schallstück

Metallteile können Dellen und Verbiegungen haben. Ein verbogener Hals kann Dichtigkeit und Intonation beeinträchtigen. Biege nie selbst nach; das Richten ist Werkstattarbeit. Prüfe außerdem, ob der Hals fest sitzt, sich aber ohne Gewalt drehen und stimmen lässt, und ob der Stimmzug (falls vorhanden) sauber gleitet.

Stachel und Tragesystem

Der Stachel soll sich ausfahren, sicher feststellen lassen und nicht wackeln. Der Gummi- oder Metallfuß darf nicht abgenutzt sein. Gurt oder Tragegeschirr sind bei einem Instrument von bis zu 4 bis 5 kg kein Zubehör am Rand, sondern notwendig, wenn du im Stehen spielst. Ein fehlendes Geschirr kostet extra.

Mundstück

Das mitgelieferte Mundstück ist bei Einsteigermodellen oft einfach gehalten. Prüfe es auf Absplitterungen an der Spitze und an den Bahnrändern. Ein besseres Mundstück gilt als eines der wirksamsten Upgrades; mehr dazu im Artikel zu Birne und Mundstück. Bei der Bassklarinette gibt es allerdings keine Birne zum Tauschen, sondern den S-Bogen.

Probespiel

  • Spiele alle Register langsam, auch Triller und Bindungen im tiefen Bereich, und achte auf Töne, die nicht ansprechen oder rauschen.
  • Prüfe die Ansprache der tiefsten Töne leise (Piano) und lang gehalten; undichte Polster zeigen sich dort zuerst.
  • Stimme mit einem Stimmgerät und achte darauf, ob der Ton bei Registerwechseln sauber bleibt.
  • Bring ein eigenes Blatt für die Bassklarinette und, wenn möglich, eine erfahrene Begleitung mit.

Was kostet eine Bassklarinette

Bassklarinetten sind deutlich teurer als B-Klarinetten, und die Preise streuen stark mit Hersteller, Material, Tiefe (Es oder C) und Zustand. Für den Gebrauchtmarkt lässt sich keine verlässliche Spanne nennen; vergleiche mehrere aktuelle Angebote desselben Modells. Als Orientierung für Neupreise und Werkstattkosten dienen die Listen eines Händlers und einer Werkstatt (Stand Okt. 2026), die Preise anderer Anbieter weichen ab.

PostenBeispiel aus einer Händler- bzw. Werkstatt-Preisliste in Deutschland (EUR)
Neu, Schülermodell Yamaha YCL-221 II S (ABS, tief Es)2.949 bei einem Händler
Generalüberholung in der Werkstatt990 bis 1.400
Teilüberholung450 bis 750
Durchsicht150
Neu versilbern: S-Bogen, Klappen, Ringe, Becher400 bis 500

Koffer, Mundstück und Gurt sind bei Schülermodellen meist enthalten. Für Zubehör einzeln gilt: Angebot einholen.

Die Rechnung ist wichtig: Ein günstiges gebrauchtes Instrument, das eine Generalüberholung braucht, kommt schnell auf den Preis eines gut gewarteten Angebots. Verhandle den Preis nach unten, wenn die Werkstatt Mängel bestätigt. Bei einem alten Instrument aus Nachlass oder Dachboden, das Überholung, Rissreparatur und Zubehör braucht, kann die Restaurierung so teuer werden, dass sich ein neues Instrument eher lohnt. Lass dir dafür vorab einen Kostenvoranschlag geben.

Modelle und Einsteigerklassen

  • Schülerklasse: ABS-Kunststoffkörper, Tief Es, versilberte Mechanik, Lederpolster, Koffer und Mundstück dabei. Ein Beispiel ist die Yamaha YCL-221 II S mit 20 Klappen und sieben Ringklappen. Kunststoff ist robust gegenüber Temperatur und Rissen, aber hart, ein Sturz kann ihn splittern lassen.
  • Mittelklasse: Holzkorpus, oft tief Es oder tief C, bessere Mechanik und Ansprache.
  • Profiklasse: Grenadill, tief C, aufwendige Mechanik und große Schallstücke, deutlich schwerer und teurer.
  • Altgeräte und Mittelklasse älterer Bauart: Die Qualität schwankt stark. Manche haben schlechtere Intonation, keinen Stimmzug und passen nicht zu modernen Ersatzteilen. Lass sie vor dem Kauf prüfen.

Für Einsteiger wird häufig das Mieten empfohlen, bis klar ist, ob die Bassklarinette dauerhaft gespielt wird.

Pflege und Hygiene

Nach jedem Spielen

  • Instrument zerlegen und jedes Teil einzeln wischen. Das Gewicht des Wischers durch Hals, Ober- und Unterstück und Schallstück fallen lassen und sanft herausziehen, nie durch das zusammengebaute Instrument ziehen, sonst verhakt sich das Tuch an Klappen und Tonlöchern.
  • Blatt abnehmen, abspülen, abtrocknen und in einem belüfteten Blattetui flach lagern. Nasse Blätter in der Plastikhülle schimmeln.
  • Metallklappen mit einem weichen Tuch abwischen, damit Schweiß keine Beläge hinterlässt.
  • Den feuchten Wischer nicht im Koffer lassen.

Regelmäßig

  • Korkfett: Wöchentlich oder bei Bedarf auf die Korken der Verbindungen auftragen, sparsam. Nicht auf blanke Metallteile.
  • Mundstück: Wöchentlich mit lauwarmem Wasser und milder Seife und einer weichen Bürste reinigen, nie mit heißem Wasser, das Hartgummi verfärben und verformen kann. Nicht mit dem Wischer durchziehen. Kein Aceton, keine Scheuermittel.
  • Ligatur: Etwa monatlich abwischen.
  • Klappenöl: Etwa monatlich wenige Tropfen auf die Drehpunkte, überschüssiges Öl abwischen und nichts auf Polster bringen.
  • Bohrung bei Holzinstrumenten: Gelegentlich mit säurefreiem Bohrungsöl pflegen, nur wenn die Bohrung ganz trocken ist, und nie an Polster und Korken.
  • Jährlich: Fachservice mit Dichtigkeitstest. Bei einem großen Instrument mit vielen Polstern lohnt das besonders.

Hygiene beim Weitergeben

Mundstück, Blatt und Ligatur teilen mehrere Spieler besser nicht. Wenn ein Instrument weitergegeben wird, gehört ein gründlich gereinigtes oder neues Mundstück dazu. Beim Gebrauchtkauf gilt: Das alte Mundstück gründlich reinigen oder gleich ersetzen.

Rissvorbeugung bei Holz

Schnelle Temperatur- und Feuchtewechsel sind die Hauptursache. Ein kaltes Instrument vor dem Spielen auf Raumtemperatur kommen lassen, neue Instrumente anfangs nur kurz spielen, Heizungsluft meiden, Koffer nach dem Spielen offen trocknen lassen.

Transport und Koffer

Ein Koffer mit passenden Fächern für S-Bogen, Ober-, Unterstück und Schallstück ist Pflicht, denn gerade die Metallteile verbiegen sich bei Stößen. Zerlege das Instrument immer, auch für kurze Wege, und pack den S-Bogen so, dass er nicht auf Druck gelagert ist. Fahre den Stachel ein, bevor du das Schallstück im Koffer verstaust. Lagere das Instrument nie im Auto in der Sonne und nie neben der Heizung. Einen robusten Koffer solltest du bei Gebrauchtkäufen mit einplanen, falls keiner dabei ist; die Preise dafür variieren stark, Angebot einholen.

Häufige Fehler

  • Ein Instrument online ohne Probespiel oder Prüfung kaufen, obwohl die Reparaturkosten hoch sein können.
  • Nur Töne in der Mitte durchspielen und die tiefsten Klappen nicht testen.
  • Ohne Bedarf tief C kaufen, obwohl tief Es reicht.
  • Das Gewicht unterschätzen und ohne Gurt im Stehen spielen.
  • Ein zu hartes Blatt wählen. Für die Bassklarinette gilt häufig eine halbe Stärke weicher als auf der B-Klarinette; die Angaben für Einsteiger schwanken zwischen 2 und 3.
  • Den S-Bogen als Hebel benutzen oder mit zu viel Kraft einstecken.
  • Das Mundstück mit heißem Wasser reinigen.

Einsatz in Orchester, Ensemble und Jazz

Im Orchester liefert die Bassklarinette das tiefe Fundament der Holzbläser und ist in Werken von Strawinsky, Debussy, Strauss, Mahler und Ravel gefordert. In Klarinettenchören und Kammermusik trägt sie die Bassstimme. Im Jazz ist sie ein ausdrucksstarkes Soloinstrument, bekannt durch Eric Dolphy und Bennie Maupin. Häufig wird sie als Zweitinstrument von Klarinettisten gespielt.

Weil sie als Zweitinstrument selten die erste Wahl der Käufer ist, lohnt es sich, Zeit für die Suche einzuplanen und den Zustand vor dem Preis zu bewerten.