Ein gebrauchtes Instrument kaufst du sicher, wenn du dich vorbereitest, die Geschichte erfragst, es persönlich prüfst und spielst, Herkunft und Seriennummer klärst, sicher bezahlst und alles schriftlich festhältst. Bei teuren oder strukturell heiklen Instrumenten lohnt sich vorher ein Blick durch eine Fachperson. Die folgenden Punkte gelten für Streicher, Holz- und Blechbläser, Tasten, Zupfinstrumente und Schlagzeug gleichermaßen; die Besonderheiten einzelner Instrumente findest du in den jeweiligen Gebrauchtkauf-Ratgebern.

Vorbereitung: Bedarf, Budget und Marktpreise

Bevor du Anzeigen durchstöberst, klär drei Dinge: Was brauchst du wirklich (Größe, Bauart, Anschlussmöglichkeiten, Spielniveau)? Wie viel willst du ausgeben, inklusive dessen, was nach dem Kauf noch anfällt (Durchsicht, Saiten oder Felle, Koffer, gegebenenfalls Reparatur)? Und was kosten vergleichbare Instrumente tatsächlich?

Für den dritten Punkt hilft ein Vergleich vieler Angebote desselben Modells und Baujahrs, nicht nur der ersten drei Treffer. Beachte, dass Angebotspreise oft über den tatsächlich erzielten Preisen liegen. Unsere Preisschätzung zeigt dir eine Spanne aus vergleichbaren Instrumenten in unserer Datenbank, du gibst Marke und Modell (optional Typ und Baujahr) ein, ohne Anmeldung. Eine einfache Orientierung: Liegt ein gebrauchtes Angebot knapp unter dem Neupreis, darfst du einen nahezu makellosen Zustand erwarten. Liegt es deutlich unter dem üblichen Marktniveau, brauchst du einen plausiblen Grund, sonst ist Misstrauen angebracht.

Gerade Anfänger und Eltern von Kindern sollten außerdem überlegen, ob Kaufen überhaupt der richtige Weg ist; bei schnell wachsenden Spielern ist Mieten oder Gebrauchtkauf eine echte Abwägung.

Verkäufertypen im Vergleich

VerkäufertypVorteileRisiken
PrivatpersonOft faire Preise, man hört die Geschichte direkt vom BesitzerMeist kein Gewährleistungsanspruch, Rückgabe nur nach Vereinbarung, Betrugs- und Diebstahlrisiko
FachhändlerGeprüfte und oft eingestellte Instrumente, Beratung, häufig Rückgabe- oder GarantiezusagenHöhere Preise, Zustandsangaben sind Verkaufsargumente
AuktionPreis kann günstig werden, große AuswahlKein Probespielen, Bieteffekt, Angaben schwer prüfbar, Versandschäden
Kleinanzeigen-PortalLokale Angebote, Besichtigung möglichFake-Anzeigen, Druck zu Vorkasse, wenig Schutz außerhalb des Portals

Welche Variante passt, hängt von deiner Erfahrung ab. Wer das Instrument nicht sicher beurteilen kann, fährt bei einem Fachhandel oder mit einer erfahrenen Begleitperson meist besser, auch wenn der Preis etwas höher liegt.

Fragen an den Verkäufer

Stell die Fragen schriftlich oder am Telefon, bevor du hinfährst. Das spart Zeit und zeigt, wie offen der Verkäufer ist.

  • Warum wird das Instrument verkauft und wie lange ist es im Besitz?
  • Gab es Reparaturen, Risse, Stürze, Umbauten oder Nachbesserungen? Von wem wurden sie ausgeführt?
  • Wann war die letzte Wartung oder Durchsicht, und gibt es Rechnungen dazu?
  • Wo und wie wurde das Instrument gelagert und gespielt (Wohnung, Probenraum, Bühne, Garage)?
  • Was gehört zum Lieferumfang (Koffer, Zubehör, Originalteile, Dokumente)?
  • Ist die Seriennummer lesbar, und gibt es einen Kaufbeleg des Vorbesitzers?

Zögerliche oder ausweichende Antworten, widersprüchliche Angaben oder die Weigerung, das Instrument vor dem Kauf zu zeigen, sind Warnsignale. Langjähriger Einzelbesitz mit nachvollziehbarem Verkaufsgrund ist dagegen ein beruhigendes Zeichen, ein schneller Weiterverkauf ohne Erklärung eher nicht.

Lagerung und Besitzgeschichte

Wo ein Instrument gelebt hat, beeinflusst seinen Zustand stark. Klimatisierte Innenräume sind Garage, Keller oder Dachboden fast immer vorzuziehen, denn starke Schwankungen von Temperatur und Luftfeuchte lassen Holz arbeiten und fördern Korrosion und Schimmel. Typische Spuren sind Risse an Decke oder Zargen, aufstehende Kanten, gelöste Leimfugen, muffiger Geruch oder Stockflecken im Koffer. Zu den Grundlagen siehe Instrumente richtig lagern. Ein Cello oder eine Geige aus einem trockenen Winterhaushalt braucht besondere Aufmerksamkeit, mehr dazu im Ratgeber über Feuchtigkeit und Risse beim Cello.

Fotos und Videos anfordern

Bei Fernkäufen sind Fotos und Videos deine wichtigste Prüfung. Bitte um:

  • Gesamtansichten von vorn, hinten und von allen Seiten bei gutem Licht, ohne Filter
  • Nahaufnahmen von allen im Text erwähnten Schäden und Reparaturstellen
  • Das Typenschild, die Seriennummer und, wo sinnvoll, das Innere (Schallloch, Gehäuse, Trommelkessel, Klavierdeckel)
  • Ein kurzes Video, in dem das Instrument gespielt wird, bei Elektronik auch mit eingeschaltetem Gerät und allen Reglern
  • Ein Foto mit einem aktuellen Datum oder Zettel, damit klar ist, dass der Verkäufer das Instrument wirklich besitzt

Alle Bilder sollten dasselbe Instrument zeigen. Stockfotos, Bilder mit anderem Hintergrund oder fehlende Detailaufnahmen sprechen gegen den Kauf.

Besichtigung und Probespielen

Plane genug Zeit ein und komm nach Möglichkeit mit einer erfahrenen Person, etwa einer Lehrkraft oder einem Mitspieler. Bring eigenes Zubehör mit, das den Vergleich fair macht: bei Bläsern das eigene Mundstück oder Blatt, bei Gitarren ein Stimmgerät, bei E-Instrumenten ein eigenes Kabel und, wenn möglich, den eigenen Verstärker.

  1. Sicht- und Geruchsprüfung: erst ohne zu spielen, bei Tageslicht oder gutem Licht.
  2. Mechanik durchprobieren: alle beweglichen Teile müssen gleichmäßig, leichtgängig und leise arbeiten.
  3. Stimmen und Halten: Bleibt das Instrument in Stimmung? Stimmt die Intonation über den gesamten Tonumfang?
  4. Alle Register und Lagen spielen: tief, hoch, leise, laut. Schnarren, Klirren, Dumpfheit oder Aussetzer deuten auf Probleme.
  5. Lange genug spielen: Manche Fehler (Verstimmen, Wärmeprobleme, Kontaktprobleme) zeigen sich erst nach einigen Minuten.
  6. Vergleichen: Falls möglich, spiel ein ähnliches Instrument zum Vergleich, damit du die Klangunterschiede kennst.

Spezielle Prüfpunkte findest du in den Ratgebern, etwa für die Akustikgitarre, die Violine, das Saxophon, das Klavier oder das Schlagzeug.

Zustandsprüfung nach Materialgruppen

Holz

Auf Risse, Verzug und gelöste Verbindungen achten. Nicht jeder Riss ist ein Todesurteil, entscheidend sind Lage und Länge; ein sauber geleimter Riss kann unproblematisch sein, eine offene Fuge an einer tragenden Stelle (Steg, Hals-Korpus-Verbindung, Rand) dagegen kostspielig. Prüfe, ob Hälse gerade sind, ob die Decke einsinkt oder sich wölbt, ob Kanten abstehen und ob Reparaturstellen sauber gearbeitet sind. Bei Trommelkesseln sind eine glatte Gratkante und kein Wasserschaden im Inneren wichtig. Beim Klavier und Flügel zählen Stimmstock und Resonanzboden, die du nur mit Fachperson wirklich beurteilen kannst.

Metall

Auf Korrosion, Dellen, Lötstellen, die sich lösen, und Verformung achten. Leichtes Anlaufen ist normal, tiefe Korrosion, Lochfraß oder Ausblühungen im Inneren eines Blechblasinstruments sind es nicht. Dellen sind nicht automatisch schlimm; entscheidend ist, ob sie Ventile, Züge oder Klappen behindern oder die Intonation stören. Rost an Hardware, Spannreifen, Schrauben und Saiten (Klavier, Harfe, Gitarre) deutet auf Feuchtigkeit oder Vernachlässigung.

Elektronik

Funktioniert jedes Poti, jeder Schalter, jede Buchse, jeder Taster und jede Taste? Rauschen, Brummen, Knistern beim Drehen, Aussetzer bei Kabelbewegung und kratzende Regler sind Hinweise auf Wartungsbedarf. Am besten über einen Verstärker oder Kopfhörer prüfen und Kabel dabei leicht bewegen. Bei Keyboards, Digitalpianos und Synthesizern alle Tasten, Pedalanschlüsse, Display und Ausgänge testen. Reparaturen an Netzteilen und in Geräten gehören in die Fachwerkstatt.

Lack und Oberfläche

Gebrauchsspuren sind bei einem gespielten Instrument normal und lassen sich oft gut aushandeln. Haarrisse im Lack (feine Netzstrukturen) sind meist kosmetisch, durchgehende Risse im Holz darunter nicht. Vorsicht bei auffällig frischen Teillackierungen, die Reparaturen oder Schäden verdecken können.

Mechanik

Ventile, Klappen, Züge, Wirbel, Mechaniken, Pedale und Fußmaschinen müssen sauber, gleichmäßig und ohne Spiel arbeiten. Klebende Ventile, Klappen mit viel Spiel, durchrutschende Stimmmechaniken oder knarrende Pedale sind Warnsignale. Zu defekten Teilen gehört immer die Frage, ob sich Ersatzteile noch beschaffen lassen.

Zubehör, Koffer und Originalteile

Kläre genau, was zum Preis gehört. Fehlende Teile (Mundstücke, Bögen, Stützen, Becken- und Ständerteile, Netzteile, Pedale) können später mehr kosten, als sie beim Kauf einsparen. Ein passender Koffer schützt das Instrument und erhöht die Chancen auf einen späteren Wiederverkauf. Originalteile, Originalverpackung und Dokumente (Handbuch, Garantiekarte, Kaufbeleg) stützen den Wert und die Herkunft. Umbauten und Austauschteile sind kein Mangel, sollten aber offen benannt werden; frag nach, was original ist.

Seriennummer, Echtheit und Herkunft

Notiere die Seriennummer und gleiche sie mit den Angaben des Herstellers zu Ort, Schriftbild und Baujahr ab. Passt die Nummer nicht zum Modell, ist sie abgeschliffen, überklebt oder nachträglich verändert, solltest du den Kauf nicht tätigen: Dafür gibt es kaum einen unschuldigen Grund. Fälschungen erkennst du oft an nahezu perfekten Logos bei billiger Hardware und Elektronik, an unstimmigen Details und an einem Preis, der für das Modell zu niedrig ist. Gerade bei teuren Marken lohnt eine Rückfrage beim Hersteller oder eine Begutachtung, mehr zum Thema bei Echtheitszertifikaten und Gutachten.

Auch Diebstahlgut taucht im Gebrauchtmarkt auf. Warnzeichen sind auffällig niedrige Preise, Zeitdruck, Barzahlungsforderungen, kein Treffen an der Wohnadresse, fehlende Belege und Unklarheit über die Seriennummer. Gestohlene Instrumente können im Ernstfall herausverlangt werden, auch wenn du in gutem Glauben gekauft hast; es gibt Register, in denen Instrumente mit Seriennummer als gestohlen gemeldet werden, und ein Abgleich vor dem Kauf ist kostenlos möglich. Für rechtliche Fragen wende dich an die Polizei oder eine Rechtsberatung, dieser Ratgeber ersetzt sie nicht.

Betrugsmaschen und sichere Abwicklung

Die gängigen Maschen beim Online-Kauf in Deutschland sind gut dokumentiert:

  • Vorkasse für nicht vorhandene Ware: Das Instrument existiert nicht, oder der Verkäufer verschwindet nach der Überweisung.
  • „Freunde und Familie“ bei Zahlungsdiensten: Bei dieser Option entfällt der Käuferschutz. Wähle für Käufe nur die Variante für Waren und Dienstleistungen.
  • Manipulierte Kontodaten und Dreieckbetrug: Dein Geld geht an Dritte, nicht an den Verkäufer.
  • Gefälschte Zahlungsseiten, Links und QR-Codes: Angeblich schlägt eine Zahlung fehl, du sollst „zur Bestätigung“ Zugangsdaten eingeben. Klicke keine Links von Fremden und gib keine Zahlungsdaten außerhalb des Portals ein.
  • Forderungen nach Vorab-Zahlungen für Transport, Versicherung oder Kaution sowie ungewöhnliche Bezahlwege wie Geldtransferdienste.
  • Widersprüche: Der Verkäufer sitzt angeblich in einer deutschen Stadt, die Bankverbindung ist aber im Ausland.

Am sichersten ist die persönliche Übergabe gegen Barzahlung, idealerweise nach dem Probespielen, an einem hellen, belebten Ort oder zu Hause beim Verkäufer, mit Begleitung. Bei Versand nutze die Funktionen des Portals oder einen Zahlungsweg mit Käuferschutz und lass dich nicht zu Zahlungen außerhalb drängen. Bei Auktionen gilt zusätzlich: Mach dir vor dem Bieten dein Limit klar, und prüfe Bewertungen und Angaben zur Verpackung.

Verhandeln

Verhandeln ist beim Gebrauchtkauf üblich. Das stärkste Argument sind konkrete, belegbare Befunde: nötige Reparaturen, fehlendes Zubehör, abweichende Angaben oder Vergleichspreise. Sprich Mängel sachlich an, statt das Instrument pauschal schlechtzumachen. Biete einen realistischen Preis, nenne den Grund und sei bereit, dich zu verabschieden; wer den Mangel sieht und trotzdem gleich zahlt, hat kein Druckmittel mehr. Vermeide Preisverhandlungen per Nachricht lange vor der Besichtigung und gehe mit festem Limit ins Gespräch.

Kaufbeleg und Übergabe schriftlich

Halte den Kauf schriftlich fest, auch bei Privatverkäufen. Ein einfacher Kaufvertrag oder Beleg enthält:

  • Namen und Adressen von Käufer und Verkäufer
  • Marke, Modell, Seriennummer und Baujahr
  • Zustand, bekannte Mängel und Umfang (Koffer, Zubehör)
  • Preis, Datum und Zahlungsart
  • Eine Bestätigung, dass der Verkäufer rechtmäßiger Eigentümer ist

Lass dir Reparatur- und Wartungsbelege mitgeben und bewahre Anzeige und Nachrichten auf. Welche Rechte du bei Mängeln hast, hängt vom Verkäufertyp ab; die Bedingungen lies vor der Zahlung und lass offene Punkte schriftlich klären. Das Dokument kann später auch bei der Versicherung nützlich sein, siehe Instrumentenversicherung.

Kosten nach dem Kauf

Rechne mit einer fachlichen Durchsicht nach dem Kauf: Einstellen, Reinigen, Verschleißteile wie Saiten, Felle, Polster oder Blätter erneuern, beim Klavier das Stimmen. Die Preise unterscheiden sich je nach Werkstatt, Region und Instrument stark; hole am besten zwei bis drei Angebote ein, statt einen Betrag zu schätzen. Wie sich die Kosten beim Klavier zusammensetzen, steht im Artikel zum Klavierstimmen. Plane außerdem Koffer, Versicherung und regelmäßige Pflege ein.

Wann sich eine Fachbegutachtung lohnt

  • Bei hohem Kaufpreis, seltenen oder alten Instrumenten und bei Sammlerstücken
  • Wenn dir Risse, Verzug, Reparaturen oder Lötstellen auffallen und du ihre Schwere nicht einschätzen kannst
  • Bei Streich-, Zupf- und Tasteninstrumenten, deren Zustand (Decke, Stimmstock, Resonanzboden) nur Fachleute zuverlässig beurteilen
  • Bei Zweifeln an Echtheit, Herkunft oder Originalität
  • Bei Elektronik, deren Fehler du nicht eingrenzen kannst

Sprich vorher mit dem Verkäufer ab, dass eine Begutachtung vor dem Kauf möglich ist, und kläre, wer sie bezahlt. Beachte, dass Werkstätten auch kosmetische Verbesserungen sehen; frag gezielt, was für Spielbarkeit und Wert wirklich nötig ist.

Typische Fehler

  • Aus Begeisterung zu schnell zusagen und Kosten nach dem Kauf vergessen
  • Nur nach Fotos kaufen und nie persönlich spielen oder prüfen lassen
  • Ohne Begleitperson Instrumente beurteilen, die man nicht kennt
  • Auf Vorkasse, Links oder ungewöhnliche Zahlungswege eingehen
  • Die Seriennummer nicht prüfen und keinen Beleg erstellen
  • Zubehör, Koffer und Originalteile nicht klären
  • Reparaturkosten unterschätzen, besonders bei Holzrissen und Elektronik

Häufige Fragen

Händler oder Privatverkäufer: Was ist besser?

Wenn du das Instrument nicht sicher beurteilen kannst, ist ein Händler mit Beratung und Rückgabemöglichkeit oft die ruhigere Wahl. Privat kannst du sparen, trägst aber mehr Risiko.

Ist eine Prüfung vor dem Kauf erlaubt?

Üblich ist es, und seriöse Verkäufer haben meist nichts dagegen. Sprich es vorab an. Wer eine Begutachtung ablehnt, gibt dir einen Grund zur Vorsicht.

Ist ein Kratzer im Lack ein Problem?

Meist nur kosmetisch und ein Verhandlungsargument. Entscheidend sind Risse im Holz, Verzug und Funktion.

Woran erkennt man eine Fälschung?

Vergleiche Seriennummer, Logo, Verarbeitung und Hardware mit gesicherten Angaben des Herstellers; ein auffällig niedriger Preis und fehlende Belege sind zusätzliche Hinweise. Im Zweifel lass das Instrument begutachten.

Wie bezahlt man sicher?

Am besten bar bei persönlicher Übergabe, ansonsten über die Funktionen des Portals oder einen Zahlungsweg mit Käuferschutz. Nie per Vorkasse an Unbekannte und nie über Geldtransferdienste.