Die Saitenzahl entscheidet über den Stil: Das 5-Saiter-Banjo mit der kurzen Drohnensaite ist der Standard für Bluegrass, Old-Time und Clawhammer und für Einsteiger meist die richtige Wahl. Das 4-Saiter-Banjo (Tenor oder Plektrum) gehört zu Dixieland-Jazz und irischer Session-Musik, das 6-Saiter-Banjo ist ein Einstieg für Gitarristen. Ob der Kessel offen oder mit Resonator ist, entscheidet über Lautstärke, Gewicht und Klangfarbe: Resonator für Bluegrass, offen für Clawhammer, für den Anfang geht beides.
Die drei Bauformen im Überblick
| Typ | Saiten und Stimmung | Typische Musik | Gespielt mit |
|---|---|---|---|
| 5-Saiter | Open G: g-D-G-H-d (die kurze 5. Saite ist die höchste) | Bluegrass, Old-Time, Folk | Fingerpicks oder Clawhammer |
| Tenor (4 Saiten) | Standard C-G-d-a; Irisch G-d-a-e' | Dixieland-Jazz, irische Musik | Plektrum |
| Plektrum (4 Saiten) | C-G-H-d | Jazz, Akkordbegleitung | Plektrum |
| 6-Saiter (Gitarrenbanjo) | E-A-d-g-h-e' wie eine Gitarre | Folk, Country, Rock | Plektrum oder Finger |
5-Saiter: Standard für Bluegrass, Old-Time und Clawhammer
Die fünfte Saite ist kürzer als die anderen und beginnt erst am 5. Bund, sitzt aber neben der tiefsten Saite. Weil sie trotzdem am höchsten klingt, entsteht die typische Banjo-Stimmung, in der die Töne nicht von Saite zu Saite aufsteigen. Die übliche Mensur beträgt 26,25 Zoll (rund 667 mm). Die meisten Lehrbücher, Tabulaturen und Online-Kurse sind für dieses Instrument geschrieben. Wer nur "Banjo" spielen will, ohne ein genaues Ziel zu haben, landet deshalb fast immer beim 5-Saiter.
Die wichtigsten Spielweisen
- Scruggs-Stil (Bluegrass): eine Dreifinger-Technik mit Metall- oder Kunststoff-Fingerpicks an Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Sie wurde in den 1940ern durch Earl Scruggs bekannt und treibt das Tempo im Bluegrass an.
- Clawhammer oder Frailing (Old-Time): Der Nagel von Zeige- oder Mittelfinger schlägt nach unten auf die Melodiesaiten, der Daumen setzt danach auf der kurzen Saite ein. Gespielt wird ohne Fingerpicks. Die Technik hat afroamerikanische Wurzeln und passt zu Tanzmusik und Begleitgesang.
- Frühe Fingerstil-Varianten: Hier wird mit den bloßen Fingern gezupft, ähnlich wie Gitarre. Sie sind historisch wichtig, heute aber seltener.
Stimmungen im 5-Saiter
Für Bluegrass gilt fast ausnahmslos Open G (g-D-G-H-d). Im Clawhammer gibt es dagegen keinen einzigen Standard. Verbreitet sind drei Stimmungen, die du nacheinander lernen kannst, weil sie nur wenig Umstimmen erfordern:
- Open G (gDGBD): der einfachste Einstieg, auch für Bluegrass.
- Sawmill oder G-Modal (gDGCD): Die zweite Saite wird von H auf C gestimmt, wodurch ein offener, "einsamer" Klang für viele Balladen und Fiddle-Melodien entsteht.
- Double C (gCGCD): beliebt für Fiddle-Tunes. Mit Kapo im 2. Bund ergibt sich die Tonart D (aDADE).
Viele Spieler sagen, die Stimmung sei halb die Melodie: Bestimmte Stücke klingen nur in ihrer Originalstimmung richtig. Plane also ein Stimmgerät und etwas Geduld beim Umstimmen ein.
4-Saiter: Tenor und Plektrum
Das Tenorbanjo entstand im frühen 20. Jahrhundert, als der Jazz aufkam: Die störende fünfte Saite wurde weggelassen, damit sich Akkorde leichter greifen ließen. In den 1920ern war es die verbreitetste Form. Es hat 17 oder 19 Bünde und eine deutlich kürzere Mensur als das 5-Saiter-Banjo (je nach Bauart etwa 19,5 bis 23 Zoll). Gespielt wird mit Plektrum, im Jazz meist rhythmisch mit Akkorden, in der irischen Musik melodisch.
Tenor in zwei Stimmungen
- CGDA (Standard-Tenor): in Quinten gestimmt wie Bratsche und Cello, nur eine Oktave höher. Das ist die ursprüngliche Dixieland-Stimmung und eignet sich für Akkordbegleitung.
- GDAE (Irisch): wie Geige und Mandoline, nur eine Oktave tiefer. Weil die Griffe mit denen von Geige und Mandoline übereinstimmen, lassen sich Melodien und Tabulaturen aus der Session-Szene direkt übernehmen. In Irland verbreitete sich das Instrument ab den 1920ern, seine Hochphase in Pub-Sessions lag in den 1950er- und 1960er-Jahren.
- Chicago-Stimmung (DGBE): entspricht den vier hohen Gitarrensaiten. Das ist ein Weg für Gitarristen, die ihre Griffe weiterverwenden wollen.
Für irische Musik ist das Tenor mit 17 Bünden der einfachere Start und für kleinere Hände angenehmer. Die 19-Bund-Version ist etwas heller und lauter und wird von vielen fortgeschrittenen Spielern bevorzugt. Für Sessions wird häufig ein Resonator empfohlen, weil es sonst in lauter Runde untergeht.
Plektrum-Banjo
Das Plektrum-Banjo hat ebenfalls vier Saiten, aber 22 Bünde und eine lange Mensur von etwa 26 bis 28 Zoll. Die Stimmung C-G-H-d macht es zu einem reinen Akkordinstrument für Jazz und traditionelle Begleitung.
6-Saiter: das Gitarrenbanjo
Das 6-Saiter-Banjo hat einen Gitarrenhals mit Gitarrenstimmung (E-A-d-g-h-e') und einen Banjo-Kessel. Alle Griffe und Skalen funktionieren wie auf der Gitarre. Für Gitarristen, die den Banjo-Klang einfach ausprobieren möchten, ist das der kürzeste Weg. Du bekommst aber keinen Bluegrass- oder Clawhammer-Stil im engeren Sinn, denn dafür fehlt die kurze Drohnensaite. Wer später tiefer einsteigen möchte, wechselt meist auf einen 5-Saiter.
Offener Kessel oder Resonator
Ein Resonator ist eine Holzschüssel auf der Rückseite des Kessels. Sie wirft den nach hinten abgestrahlten Schall nach vorn. Beim offenen Banjo fehlt sie, der Schall geht in alle Richtungen und wird zum Teil vom Körper des Spielers geschluckt.
| Merkmal | Offener Kessel | Resonator |
|---|---|---|
| Klang | weicher, wärmer, erdig, kürzerer Sustain | heller, "twangiger", mehr Sustain, perkussiv |
| Lautstärke | leiser, bleibt im Raum und im Körper | deutlich lauter, geht nach vorn |
| Gewicht | etwa 2,3 bis 3,6 kg (Richtwert) | mit Metall-Tone-Ring etwa 4,5 bis 6 kg und mehr (Richtwert) |
| Preis | meist günstiger | meist teurer |
| Stilfit | Clawhammer, Old-Time, Begleitung zu Gesang | Bluegrass, laute Bandsituation |
Warum der Unterschied bei Clawhammer zählt
Der kürzere Sustain und der fokussierte Mittenbereich des offenen Banjos lassen schnelle rhythmische Muster klar getrennt klingen. Ein sehr sustainreiches Resonator-Banjo lässt die Töne eher ineinanderlaufen. Das ist Geschmackssache, denn es gibt namhafte Clawhammer-Spieler, die auf dem Resonator gespielt haben. Gebrauchte Resonator-Banjos sind oft auf Bluegrass eingerichtet; für Clawhammer musst du eventuell Steghöhe, Fellspannung und Saitenabstand anpassen.
Resonator abnehmen?
Bei vielen Modellen lässt sich der Resonator abschrauben, und das Banjo klingt dann dem offenen Kessel ähnlicher. Wichtig: Prüfe, ob der Flansch (der Ring, der die Spannhaken hält) dabei am Kessel bleibt. Sitzt die Spannhardware am Flansch, lässt sich der Resonator nicht ohne weiteres entfernen. Umgekehrt lässt sich ein offenes Banjo nicht einfach in ein Resonator-Banjo verwandeln, weshalb ein abnehmbarer Resonator etwas mehr Flexibilität bietet, wenn der Stil noch offen ist.
Weitere Klangfaktoren
- Tone Ring: Stahl klingt sehr hell und trocken, Messing etwas wärmer, Glockenbronze dunkler. Holzringe (zum Beispiel Grenadill) klingen dunkler und mit weniger Sustain.
- Kesselholz: Mahagoni gibt kürzeren Sustain, Ahorn und Walnuss längeren und hellen Klang.
- Koordinatorstangen: Günstige Modelle haben eine, hochwertige zwei, was den runden Kessel stabiler hält.
- Verstärken: Ein Tonabnehmer lässt sich bei fast jedem Banjo nachrüsten, ein offenes Banjo ist also kein Hindernis für Auftritte.
Was solltest du als Einsteiger kaufen?
- Du willst Clawhammer oder Old-Time: 5-Saiter mit offenem Kessel. Er ist leichter, günstiger und passt klanglich zum Stil.
- Du willst Bluegrass: 5-Saiter mit Resonator, Fingerpicks und ein Bandkontext, in dem du gehört werden musst.
- Du weißt es noch nicht: 5-Saiter mit abnehmbarem Resonator oder einfach das Modell, das dir gefällt. Viele Spieler raten, im ersten Jahr einfach zu spielen, was griffbereit ist. Jeder 5-Saiter kann jeden Stil, die Frage ist nur, wie nahe am Ideal.
- Du willst irische Sessions: 4-Saiter-Tenor in GDAE, vorzugsweise mit 17 Bünden und Resonator.
- Du kommst von der Gitarre und willst erstmal reinschnuppern: 6-Saiter, oder ein Tenor in Chicago-Stimmung (DGBE), wenn du nur vier Saiten willst.
Wichtiger als jede Bauform ist die Einrichtung. Ein Banjo, das nicht sauber eingestellt ist, schnarrt und hält die Stimmung nicht, was Anfänger schnell frustriert. Achte auf Händler, die ein Setup anbieten, und auf mindestens einen Halsstab, damit sich der Hals nachjustieren lässt. Bei den Mechaniken zählen Planetengetriebe mit sauberem Lauf; billige rutschen. Die Spannschrauben am Kessel sind wichtiger als die Stimmmechaniken, weil sie schwer zu ersetzen sind.
Neupreise für Einsteiger und Mittelklasse in Deutschland
Die Angaben schwanken je nach Angebot und Zeitpunkt, es sind Richtwerte (Stand Okt. 2026):
- Einstieg bis etwa 300 EUR: Modelle der Marke Harley Benton im 5-Saiter-Bereich beginnen bei rund 120 bis 200 EUR, etwa das offene BJO-35Pro und das BJ-55Pro. Auch der 6-Saiter BJ-65Pro liegt im Bereich von rund 100 bis 250 EUR, wobei die Angaben stark schwanken.
- Einstieg plus, etwa 250 bis 500 EUR: Epiphone MB-100 ab etwa 250 EUR, Gold Tone AC-5 (Resonator) um 480 EUR, Deering Goodtime (offen) ab etwa 500 EUR.
- Mittelklasse, etwa 500 bis 1.000 EUR: Gold Tone Clawhammer CB-100 rund 950 EUR, Gold Tone Irish Tenor rund 880 EUR (Tenor mit 12-Zoll-Fell, 17 Bünde, Ahorn). Wer mehr Qualität will, findet hier Hardware mit besserer Mechanik und Einstellung.
- Darüber: Spezialmodelle wie das Gold Tone Long-Neck OT-800LN (5-Saiter, eine Terz tiefer gestimmt, 22 Bünde) für rund 1.650 EUR (Stand Okt. 2026), handgefertigte Banjos ab etwa 1.000 EUR aufwärts.
Gebrauchtpreise für Deutschland sind für Banjos nicht verlässlich belegt, hier hilft nur der Vergleich aktueller Angebote. Worauf du beim Gebrauchtkauf achten musst, steht im Ratgeber Banjo gebraucht kaufen.
Zubehör, das du wirklich brauchst
- Stimmgerät: Clip-on-Modelle gibt es ab etwa 17 EUR (Stand Okt. 2026). Gerade wegen der wechselnden Stimmungen ist es unverzichtbar.
- Kapo: ab etwa 13 EUR, nötig für die Tonarten im Clawhammer und für Bluegrass-Begleitung.
- Fingerpicks: für Bluegrass Pflicht, für Clawhammer nicht nötig.
- Plektren: für Tenor- und Plektrum-Banjo; für Tenor werden größere Nylonplektren von etwa 46 bis 60 mm genannt. Kauf gleich mehrere, sie verschwinden gern.
- Gurt: ein breiter, gepolsterter Gurt entlastet die Schulter, besonders beim schweren Resonator-Banjo.
- Tasche oder Koffer: Gigbags gibt es ab etwa 25 EUR, ein Hartschalenkoffer schützt besser.
- Ersatzsaiten: Sets kosten ab etwa 6 EUR; mittlere Stärken wie 10-12-16-23-10 sind für den 5-Saiter üblich.
Mythen und Missverständnisse
- "Bluegrass geht nur mit Resonator, Clawhammer nur offen": Das ist eine Faustregel, kein Gesetz. Jedes 5-Saiter-Banjo kann jeden Stil spielen, der Klang kommt dem Ideal dann nur mehr oder weniger nahe.
- "Der Resonator ist einfach nur lauter": Er verändert auch Ansprache, Sustain und Gewicht, der Klang ist heller und perkussiver.
- "Ein 4-Saiter ist leichter zu lernen": Er hat weniger Saiten, aber ein anderes Repertoire und eine andere Stimmung. Wer Clawhammer oder Bluegrass will, kommt damit nicht weit.
- "Teuer heißt besser": Ein sauberes Setup bringt mehr als der nächste Preisaufschlag, denn viele günstige Instrumente schnarren nur wegen schlechter Einrichtung.
- "Das 6-Saiter-Banjo ist ein halbes Banjo": Es ist ein eigenes Instrument mit eigenem Klang, nur eben nicht für Clawhammer oder Bluegrass gedacht.
Typische Fehlkäufe
- Ein 4-Saiter gekauft, obwohl Bluegrass- oder Clawhammer-Material gelernt werden soll, oder umgekehrt ein 5-Saiter für Irish-Sessions.
- Ein schweres Resonator-Banjo gewählt, obwohl lange Sitzungen im Stehen oder Reisen geplant sind.
- Ein Tenor mit 19 Bünden für kleine Hände oder ein Instrument mit zu kurzer Mensur gekauft, ohne es in der Hand gehabt zu haben.
- Ein Billig-Banjo ohne Halsstab gekauft, das sich nicht einstellen lässt.
- Ein 6-Saiter-Gitarrenbanjo gewählt, obwohl eigentlich Clawhammer oder Bluegrass gemeint war: Dafür fehlt die kurze Drohnensaite.
Checkliste vor dem Kauf
- Welchen Stil willst du spielen, und welche Stimmung gehört dazu?
- Offen oder Resonator, und verträgt dein Rücken das Gewicht?
- Ist das Instrument eingerichtet, hat es einen Halsstab und saubere Mechaniken?
- Planst du Auftritte mit anderen Instrumenten, bei denen Lautstärke zählt?
- Stimmgerät, Kapo, Fingerpicks oder Plektrum, Gurt und Tasche im Budget bedacht?