Risse im Resonanzboden gehören zu den häufigsten - und am meisten missverstandenen - Befunden bei der Begutachtung eines gebrauchten Flügels. Holz dehnt sich über Jahrzehnte mit der Luftfeuchtigkeit aus und zieht sich zusammen; ein Riss bedeutet schlicht, dass sich das Holz mehr bewegt hat, als es dehnen konnte.

Meist unbedenklich

  • Dünne, stabile Haarrisse entlang der Maserung, die beim Spielen nicht schnarren.
  • Alte Risse, die sich erkennbar nicht weiter vergrößert haben (erkennbar an Ausbesserungslack oder altersangepasster Verfärbung im Riss).

Genauer prüfen lohnt sich bei

  • Rissen nahe der Rippen (auf der Unterseite verleimte Holzstreben), die eine Rippenablösung verursacht haben - das kann schnarren und beeinflusst tatsächlich den Klang.
  • Breiten, frisch wirkenden Rissen, besonders mehreren nah beieinander - ein Hinweis auf ungewöhnlich trockene Lagerung.
  • Jedem Riss, der bei bestimmten Tönen hörbar schnarrt - dieser praktische Test zählt mehr als das reine Aussehen des Risses.

Ein Resonanzboden muss wegen Rissen allein nicht ersetzt werden; die eigentliche Frage, die eine Fachkraft prüft, ist, ob er seine Krone (die leichte Aufwölbung, die für die Saitenauflagekraft sorgt) und Klangqualität verloren hat - nicht die reine Anzahl kosmetischer Risse.