Kurzantwort: Ein gebrauchter Kontrabass ist ein guter Kauf, wenn Decke, Boden, Zargen und Halsverbindung strukturell intakt sind. Alles, was nur Einstellarbeit ist (Steg, Saitenlage, Griffbrett-Abrichtung, Saiten), lässt sich mit planbarem Budget beheben, Hals- und Leimschäden dagegen nicht ohne Weiteres. Plane nach dem Kauf zusätzlich grob 250 bis 500 EUR für ein Setup ein (Stand Okt. 2026) und lass bei einem teureren Instrument einen Bassbauer vor der Zahlung draufschauen.
Wo du einen gebrauchten Kontrabass findest
Fachwerkstatt und Bassbauer
Spezialisierte Kontrabassbauer und Geigenbauer mit Bassabteilung haben häufig Gebrauchtinstrumente im Bestand, teils auch zur Miete. Der Vorteil: Der Bass wurde meist schon durchgesehen, ein Setup ist oft enthalten, und du kannst bei Problemen zurückkommen. Dafür liegt der Preis über dem eines Privatverkaufs. Wer dort kauft, hat gleich den späteren Ansprechpartner für Wartung und Reparaturen.
Musikhandel und Online
Der Fachhandel bietet vor allem Sperrholz- und Einsteigerbässe, teils mit Rückgabefrist. Das nimmt Risiko aus dem Kauf, weil du ein Instrument in Ruhe zu Hause prüfen kannst. Gebrauchtinstrumente aus Rückläufern oder Vorführbässen sind oft günstiger als neu.
Privatverkauf und Kleinanzeigen
Hier gibt es die größte Preisspanne, aber auch das größte Risiko: Die Informationen über Vorgeschichte und Reparaturen sind dünn, Rückgabe gibt es in der Regel nicht. Wichtig ist, den Bass vor Ort zu sehen und zu spielen, Reparaturen und Vorbesitzer zu erfragen und Angaben schriftlich festzuhalten. Bei Verkäufern, die nur Versand und Vorkasse anbieten, ist Vorsicht angebracht. Typische Betrugsmaschen (Überzahlung, gefälschte Zahlungsnachweise, Zahlung ohne Besichtigung) gibt es im Instrumentenhandel wie überall.
Bassisten-Netzwerk, Verbandsinserate, Musikschulen
Ehemalige Schüler, Orchester, Musikschulen und Bassisten-Gemeinschaften verkaufen Instrumente gern an Kenner. Dort erfährst du oft die komplette Geschichte des Basses, und ein erfahrener Spieler kann dich beim Besichtigen begleiten.
Was ein gebrauchter Kontrabass kostet
Die Angaben schwanken je nach Quelle stark. Als grober Richtwert (Stand Okt. 2026):
| Bauweise | Typischer Preisbereich neu | Hinweis |
|---|---|---|
| Vollsperrholz (laminiert) | ca. 800 bis 2.200 EUR | robust, klimaunempfindlich, guter Einstieg |
| Halbmassiv (massive Decke) | ca. 1.500 bis 2.500 EUR | Kompromiss aus Klang und Haltbarkeit |
| Vollmassiv | ab ca. 2.000 bis 2.500 EUR | offener Klang, empfindlicher gegen Klima |
| Carbon | ab ca. 3.000 EUR | sehr klimafest, Gebrauchtmarkt klein |
Gebraucht lässt sich ein solider, serviceter Einsteigerbass teils für etwa 800 bis 1.200 EUR finden, günstige Funde unter 500 EUR haben häufig versteckte Kosten (Stand Okt. 2026). Mehr zu den Bauweisen findest du in Massivholz oder Sperrholz, zu den Größen im Beitrag 3/4 oder 4/4.
Besichtigung: die Checkliste
Nimm eine Taschenlampe, ein Stimmgerät, einen kleinen Spiegel (ein Zahnarztspiegel genügt) und ein Lineal mit. Gehe systematisch vor und beginne im Zweifel am Rohbau, nicht beim Klang.
Decke, Boden und Zargen
Risse sind bei älteren Bässen normal, weil das Holz über Jahrzehnte arbeitet. Entscheidend ist, ob sie fachgerecht repariert wurden und ob sie noch aktiv sind. Besonders genau hinschauen solltest du an diesen Stellen:
- Rund um Bassbalken, Stimmstock und Stegfüße der Decke, weil sich hier die Saitenspannung konzentriert,
- am Untersattel, wo der Saitenhalterdraht die Decke berührt,
- am Boden und an den Zargen, besonders an den Ecken und Rundungen,
- eine eingesunkene Decke neben dem F-Loch, die auf zu hohen Dauerzug oder schwache Konstruktion hindeutet.
Offene Fugen erkennst du an einem Spalt oder durch Abklopfen: Klopfe mit dem Fingerknöchel in Abständen von wenigen Zentimetern an der Fuge entlang. Ändert sich der Ton plötzlich zu einem dumpfen oder schnarrenden Klang, löst sich dort die Leimung. Das Neuverleimen einer Fuge ist Routinearbeit der Werkstatt, ein Schnarren sollte aber nie ignoriert werden. Leuchte mit der Taschenlampe durch die F-Löcher, um Leimspuren, Risse oder lose Teile innen zu sehen. Auch Holzwurmbefall (feines Bohrmehl, kleine runde Löcher) ist ein klares Warnsignal.
Halsfuß und Halsansatz
Die Verbindung von Hals und Korpus trägt den kompletten Zug der Saiten. Suche nach Rissen, Fugen und Lackabplatzungen im Halsfuß-Bereich und am Übergang zur Schnecke. Ein früherer Halsbruch ist nicht automatisch ein Ausschluss, wenn er professionell und mit innerer Verstärkung repariert wurde, aber eine saubere Dokumentation ist wichtig. Steht der Hals im falschen Winkel zum Korpus, sind die Saiten trotz niedrigem Steg zu hoch oder der Steg muss ungewöhnlich hoch werden; das ist ein Hinweis auf einen Winkelfehler, den nur die Werkstatt korrigiert.
Stimmstock, Bassbalken und Steg
Den Stimmstock (die kleine Holzstütze im Inneren) und den Bassbalken (die längs unter der Decke verleimte Leiste) siehst du nur teilweise durch die F-Löcher. Prüfe, ob der Stimmstock aufrecht und fest sitzt und nicht klappert. Bei entspannten Saiten kann er umfallen. Das Setzen und Verschieben ist Spezialarbeit: Ein falsch gesetzter Stimmstock kann die Decke beschädigen, daher gehört das in die Fachwerkstatt. Dasselbe gilt für Risse im Bassbalken oder eine gelöste Leiste, die nur durch Öffnen der Decke zu beheben sind.
Der Steg sollte gerade und senkrecht zur Decke stehen, die Füße müssen ohne Spalt aufliegen. Ein verzogener, gebogener Steg zeigt mangelnde Pflege. Einen neuen, passenden Steg anzufertigen ist Aufgabe des Bassbauers (siehe Kosten). Wandert der Steg beim Stimmen etwas nach vorn, kannst du ihn vorsichtig in kleinen Schritten wieder geraderichten; bei starker Abweichung gehört er in die Werkstatt.
Wirbel, Mechaniken und Stachel
Der Kontrabass hat Schneckengetriebe-Mechaniken. Stimme alle vier Saiten an, warte einige Minuten, spiele sie und prüfe erneut. Verstimmt sich eine Saite, ist die Mechanik defekt, der Austausch ist vergleichsweise teuer. Dreht eine Mechanik mit viel Spiel oder knirscht, deutet das auf Verschleiß hin. Der Stachel muss in jeder Höhe sicher klemmen und darf nicht klappern; der Draht am Saitenhalter darf keine Ausfransungen zeigen.
Lack, frühere Reparaturen und Zubehör
Sichtbare Altreparaturen sind in Ordnung, wenn sie sauber gemacht sind. Schlecht gemachte Reparaturen können schlimmer sein als der ursprüngliche Schaden. Frage nach, wer wann was repariert hat, und lass dir die Reparaturen möglichst bestätigen. Hochwertige, relativ neue Saiten sprechen für einen gepflegten Bass. Zubehör wie Bogen, Hülle oder Ständer kann den Preis rechtfertigen, solltest du aber getrennt bewerten: Ein Bogen braucht oft eine Neuhaarung (ca. 165 EUR, Stand Okt. 2026), eine gute Hülle kostet je nach Ausführung 100 bis 1.000 EUR.
Saitenlage und Halsverzug prüfen
Saitenlage am Griffbrettende
Die Saitenlage ist der Abstand der Saiten zum Griffbrett. Zu hoch macht das Spielen anstrengend und schmerzhaft, vor allem mit Bogen und bei schnellen Passagen, zu niedrig führt zu Schnarren. Miss am Griffbrettende mit einem Lineal. Als grober Richtwert gelten für Bogenspiel etwa 1 cm an der G-Saite und etwa 1,5 cm an der E-Saite, für Pizzicato-orientierte Bässe darf es niedriger sein. Eine tiefere Saitenlage macht den Bass leichter spielbar, aber leiser und schnarranfälliger. Ist die Lage zu hoch, ist die Ursache meist ein zu hoher Steg oder ein abgenutztes Griffbrett, beides Setup-Arbeit statt Strukturproblem.
Halsverzug anpeilen
Anders als beim E-Bass hat ein Kontrabass keinen Halsstab, ein Verzug lässt sich nicht einfach nachstellen. Visuell: Peile an der Griffbrettkante von der Schnecke aus entlang. Mit dem Test per Hand: Drücke die G-Saite gleichzeitig in der ersten Lage und am Ende des Griffbretts nieder und schau auf den Spalt in der Mitte. Als Richtwert werden etwa 2 mm als akzeptabel angesehen. Ein deutlich stärkerer Bogen oder eine Verwindung (Hals verdreht) sind ein ernsthafteres Problem als eine hohe Saitenlage allein.
Griffbrett-Zustand
Gutes Griffbrettholz ist Ebenholz. Billige Instrumente haben oft schwarz gefärbtes Weichholz, das mit der Zeit Rillen bekommt. Rillen führen zu Schnarren; ein Abrichten ist nur möglich, wenn noch genug Holz vorhanden ist. Frage den Bassbauer vor dem Kauf, ob eine Abrichtung noch machbar ist. Ein neues hochwertiges Griffbrett kann mehr kosten als ein Billigbass.
Korrektur: Was du selbst machst und was die Werkstatt
Selbst erledigen kannst du: Saiten wechseln (einzeln, damit der Stimmstock nicht fällt), Stimmen, Saitenlage messen, Griffbrett säubern und Steg vorsichtig geraderichten. Zum Bassbauer gehören: Steg anpassen oder neu schneiden, Griffbrett abrichten, Stimmstock setzen, Bassbalken, Leimarbeiten, Halsfuß und Halsverzug-Korrektur (Halsrichtung wird über eine Hals-Neusetzung korrigiert, ein Eingriff in die Statik).
Klang und Probespielen
Spiele den Bass nach Möglichkeit selbst und lass ihn von einem erfahrenen Bassisten spielen, damit du ihn von außen hörst. Spiele auf allen Saiten bis in die hohen Lagen, mit Bogen und gezupft. Achte auf:
- Schnarren: Kommt es vom Griffbrett, vom Steg, von Fugen, vom Stachelhalter oder von Zubehör (Saitenhalter, Seitenplatten)?
- Wolfton: Ein plötzlich schwebender, instabiler Ton an einer bestimmten Stelle. Er tritt bei vielen Bässen auf; Werkstätten legen ihn häufig auf Töne, die selten gebraucht werden, etwa Gis. Ein sehr starker Wolf an mehreren Stellen ist ein Minuspunkt.
- Gleichmäßigkeit: Sprechen alle Saiten und Lagen ähnlich an, oder gibt es tote Stellen?
- Spielgefühl: Wie fühlen sich Mensur, Hals und Saitenlage in deiner Hand an? Spielbarkeit ist wichtiger als der Eindruck beim Anblick.
Setup-Kosten und typische Reparaturen
Alle Preise sind Richtwerte aus dem deutschen Markt (Stand Okt. 2026) und unterscheiden sich je nach Werkstatt:
| Arbeit | Grober Richtwert |
|---|---|
| Setup nach dem Kauf (Steg, Stimmstock, Saitenlage) | ca. 250 bis 500 EUR |
| Neuer Steg | ca. 100 bis 270 EUR, häufig um 150 bis 200 EUR |
| Griffbrett abrichten | ca. 150 bis 200 EUR |
| Saitensatz | ca. 130 bis 200 EUR |
| Bogen neu bespannen | ca. 165 EUR |
| Risse, Bassbalken, Halsfuß, Hals-Neusetzung, Mechaniken | je nach Werkstatt, Angebot einholen |
Rechne grundsätzlich damit, dass der Bass nach dem Kauf ein Setup braucht. Wenn der Verkäufer den Zustand glaubwürdig nachweist, ist das Setup meist die einzige größere Folgeausgabe. Mehr zum Zubehör: Ein Bogen für Einsteiger liegt grob bei 70 bis 200 EUR, ein Kolophonium unter 20 EUR, ein Ständer bei 40 bis 80 EUR.
Gutachten und Expertise
Bei Bässen ab einem mittleren vierstelligen Preis lohnt sich eine fachkundige Begutachtung vor dem Kauf. Ein Bassbauer kann Altreparaturen beurteilen, Fugen und Hals prüfen und einschätzen, was ein anschließendes Setup kostet. Das ist ein Teil der Kaufentscheidung und sollte bei Privatkäufen vereinbart werden, bevor Geld fließt. Verkäufer, die eine Prüfung ablehnen, sind ein Warnzeichen. Eine förmliche Wertermittlung für Versicherungszwecke ist eine eigene Dienstleistung, die Kosten dafür je nach Werkstatt erfragen.
Transport, Versand, Hülle und Versicherung
Ein Kontrabass ist sperrig und empfindlich. Für den Transport im Auto brauchst du mindestens eine gepolsterte Hülle (Hartschalen-Koffer oder gut gepolsterte Soft-Case), lass den Bass nie längere Zeit im heißen oder eiskalten Auto stehen. Beim Versand drohen Stöße und Klimaschwankungen; ein Stimmstock kann dabei umfallen und der Steg verrutschen. Bei wertvolleren Bässen sind Abholung oder eine auf Instrumente spezialisierte Spedition die sicherere Wahl, und nach der Ankunft gehört der Bass zur Kontrolle in die Werkstatt. Eine Instrumentenversicherung (Hausrat mit Außenschutz oder spezielle Instrumentenpolice) deckt häufig Transportschäden und Diebstahl ab; die Bedingungen unterscheiden sich stark, deshalb vor dem Kauf nachfragen.
Häufige Fehler beim Kauf
- Nur nach Fotos kaufen und auf Beschreibung vertrauen.
- Den Preis ohne Folgekosten (Setup, Saiten, Bogen, Hülle) rechnen.
- Einen Billigbass mit gefärbtem Weichholz-Griffbrett oder offenen Fugen kaufen, weil er "nur ein Setup" braucht.
- Den Verkäufer nicht nach Vorbesitzer und Reparaturen fragen.
- Zu spät merken, dass der Bass zu groß oder die Mensur unpassend ist, siehe Größenvergleich.
- Dachbodenfunde ohne Prüfung kaufen (Holzwurm, Leimverlust, Risse).
Mythen
- "Risse bedeuten Totalschaden": Falsch. Fachgerecht reparierte Risse sind bei alten Instrumenten normal.
- "Sperrholz klingt immer schlecht": Für Einsteiger ist es robust und stabil; der Klang ist weniger variabel, aber nicht schlecht. Vergleich: Massivholz oder Sperrholz.
- "Der Halsstab kann den Verzug richten": Der Kontrabass hat keinen. Verzug ist Werkstatt-Sache.
- "Alt ist immer besser": Alter hilft nur, wenn die Struktur intakt ist.
Ausschlusskriterien
- Aktive, offene Risse an Decke, Boden oder Hals ohne seriöse Reparatur,
- starker Halsverzug oder Verdrehung,
- Griffbrett aus Weichholz mit Rillen ohne Abrichtmöglichkeit,
- Holzwurmbefall,
- Verkäufer, der Besichtigung, Probespielen oder Prüfung ablehnt.