Eine Viola kaufst du nicht nach Bruchteilsgröße, sondern nach Armlänge und Gefühl: Erwachsene spielen meist 15,5 bis 16,5 Zoll (rund 39 bis 42 cm Korpuslänge), Kinder ab etwa 11 oder 12 Zoll. Probespielen mehrerer Größen ist wichtiger als jede Tabelle. Gebraucht lohnt sich eine Viola vor allem, wenn Größe, Zustand (keine Risse im Bereich des Stimmstocks, offene Fugen fachgerecht geleimt) und Einrichtung stimmen. Mieten ist für Anfänger und wachsende Kinder oft die klügere Lösung.
Warum die Viola-Größe anders funktioniert als bei der Geige
Die Geige gibt es in einem festen Bruchteilsystem (1/16 bis 4/4), die erwachsene Geige hat etwa 35,5 cm Korpuslänge. Bei der Viola gibt es kein so klares System. Die Größe wird in Zoll oder in cm Korpuslänge angegeben, und Erwachsenenviolen reichen stufenlos von etwa 38 bis über 42 cm. Je nach Quelle werden die Grenzen zwischen klein (ca. 38,5 bis 39,5 cm), mittel (ca. 40,5 cm) und groß (ca. 42 cm) leicht unterschiedlich gezogen. Dazu kommt: Die Zollangabe ist eine Nenngröße. Zwei Violen mit "16 Zoll" können sich in Korpusform, Breite und Hals spürbar unterscheiden.
Die Mensur ist oft wichtiger als die Korpuslänge
Für die linke Hand zählt vor allem die Mensur, also die schwingende Saitenlänge von Sattel bis Steg. Bei Violen findet man Mensuren von etwa 34 bis 40 cm. Für anspruchsvolles Spiel gelten rund 36 bis 36,5 cm als gängiger Bereich, bis etwa 37,5 cm gewinnt der Ton an Brillanz und Tragfähigkeit, darüber droht zu hohe Saitenspannung und ein kraftraubendes Spielgefühl. Kürzere Mensuren klingen dunkler und weicher und sprechen leichter an, weshalb sie bei Amateuren beliebt sind.
Zwei Violen mit gleicher Korpuslänge können dadurch sehr verschieden zu greifen sein: Sitzt der Steg wegen kürzerer Mittelbügel höher, ist die Mensur kürzer, obwohl der Korpus lang ist. Auch die Breite beeinflusst die Klangfülle erfahrungsgemäß stärker als ein halber Zentimeter Länge. Frage deshalb beim Probespielen nach der Mensur und miss sie notfalls vom Sattel bis zur Stegmitte nach.
Die richtige Größe bestimmen
Die Armlängen-Methode
Der Standardtest: Du hältst die Viola in Spielhaltung, das Kinn liegt auf dem Kinnhalter. Dann streckst du den linken Arm unter der Viola nach vorn. Die Schnecke sollte in der Handfläche liegen, die Fingerspitzen müssen sich bequem um sie legen können, der Ellbogen bleibt dabei leicht gebeugt. Muss der Arm voll durchgestreckt werden oder reichen die Finger nicht bis zur Schnecke, ist das Instrument zu groß.
Alternativ misst du die Armlänge bei seitlich ausgestrecktem linkem Arm vom Halsansatz (Schulter) bis zum Handgelenk (bequeme Größe) und bis zur Mitte der Handfläche (größte noch nutzbare Größe). Als grober Richtwert:
| Viola-Größe | Armlänge (Hals bis Handgelenk) | Typisches Alter |
|---|---|---|
| 12 Zoll (ca. 30,5 cm) | bis ca. 51 cm | 6 bis 7 Jahre |
| 13 Zoll (ca. 33 cm) | bis ca. 56 cm | 7 bis 9 Jahre |
| 14 Zoll (ca. 35,5 cm) | bis ca. 58 cm | 9 bis 12 Jahre |
| 15 Zoll (ca. 38 cm) | bis ca. 62 cm | ab ca. 10 bis 12 Jahre, kleine Erwachsene |
| 15,5 Zoll (ca. 39,5 cm) | bis ca. 64 cm | durchschnittlicher Erwachsener |
| 16 Zoll (ca. 40,5 cm) | bis ca. 66 cm | größere Erwachsene |
| 16,5 Zoll (ca. 42 cm) | ab ca. 66 cm | größere Erwachsene, nach Vorliebe |
Die Tabelle ist ein Richtwert, die Angaben weichen je nach Quelle im Detail voneinander ab. Hand-, Finger- und Schulterbau spielen mit hinein. Liegst du zwischen zwei Größen, ist die kleinere meist die bessere Wahl, besonders bei Kindern.
Kinder und Umsteiger von der Geige
Kinder beginnen häufig zunächst auf einer Geige und wechseln später. Kleine Violen gibt es bis hinunter zu Kleinstgrößen (eine Staffelung ab 1/16 ist üblich), gängige Kinderviolen messen 11 bis 14 Zoll. Eine Erwachsenenviola ist für ein Kind kaum spielbar. Wer von der Geige kommt, findet im Ratgeber zum Wechsel von der Violine zur Viola die spielpraktischen Unterschiede.
Größer ist nicht automatisch besser
Ein größerer Korpus bringt in der Regel mehr Luftvolumen und damit einen volleren, dunkleren Ton, vor allem auf der tiefen C-Saite. Dafür sind die Greifabstände größer, das Instrument ist schwerer und die Hand ermüdet schneller. Ein kleineres Instrument spielt sich komfortabler, kann im tiefen Register aber etwas dünner klingen. Viele wählen deshalb bewusst einen Kompromiss statt der größten gerade noch beherrschbaren Größe. Ein verbreiteter Satz bringt es auf den Punkt: Wer sich beim Spielen quält, spielt auch nicht gut.
Probespielen: so testest du ein Instrument
- Spiele dasselbe Stück auf mehreren Größen und Instrumenten, damit du vergleichen kannst.
- Spiele Tonleitern über alle vier Saiten und alle Lagen, langsam und schnell. Achte darauf, ob die C-Saite sauber und ohne Schnarren oder Wolfston anspricht und ob die A-Saite nicht dünn oder scharf wird.
- Probiere verschiedene Bögen aus, weil der Bogen den Klang stark mitprägt.
- Lass jemand anderen spielen und höre aus einigen Metern Entfernung zu. Projektion im Raum klingt anders als direkt am Ohr.
- Nimm nach Möglichkeit die Lehrkraft oder eine erfahrene Bratschistin bzw. einen erfahrenen Bratschisten mit.
Holz und Herkunft prägen den Charakter: Europäische Hölzer klingen häufig wärmer und süßer, günstigere Hölzer oft etwas heller. Sehr billige Massenware aus dem Internet fällt häufig durch schlechte Verarbeitung und Klang auf.
Gebraucht kaufen: Zustand prüfen
Bauweise und typische Schäden der Viola entsprechen denen der Geige, deshalb gelten dieselben Prüfpunkte. Fordere vom Verkäufer möglichst einen schriftlichen Zustandsbericht und bitte darum, Innenraum und Reparaturstellen ansehen zu dürfen.
Risse und Fugen
- Offene Fugen sind keine echten Risse. Sie entstehen, wenn der Leim in der Naht nachgibt, etwa durch Klimaschwankungen. Eine Werkstatt kann sie wieder verleimen, offen mindern sie aber den Klang und klappern oft hörbar. Die Kosten liegen je nach Anzahl bei grob 20 bis 100 EUR (Stand Okt. 2026, je nach Werkstatt).
- Echte Risse in Decke oder Boden sollten fachmännisch repariert sein, erkennbar an sauberen Innenverstärkungen. Kontrolliere, ob ein Riss noch klafft oder bei Berührung vibriert.
- Stimmstockrisse, also Risse unter dem Fuß des Stimmstocks oder unter dem Stegfuß der Diskantseite, gelten als besonders kritisch. Bei hochwertigen Instrumenten kann das den Wert um grob die Hälfte mindern. Bei einem Einsteigerinstrument ist es meist ein Grund, die Finger davon zu lassen.
- Pflaster im Boden oder an der Decke sind Zeichen größerer früherer Reparaturen. Frag nach dem Warum.
- Prüfe außerdem, ob der Lack original ist. Großflächig erneuerter Lack drückt den Wert.
Steg, Stimmstock, Griffbrett und Wirbel
- Steg: Er sollte gerade und senkrecht stehen und in den Saitenrillen nicht tief eingeschnitten sein. Ein verzogener Steg ist leicht gerichtet oder ersetzt. Ein neuer Steg kostet in Deutschland etwa 140 bis 220 EUR (Stand Okt. 2026, je nach Qualität und Werkstatt).
- Stimmstock: Der kleine Holzstift im Inneren sitzt unter dem Steg und prägt den Klang. Hörst du Schnarren oder einen Klang ohne Kern, kann er verrutscht sein. Den Stimmstock setzt nur die Werkstatt. Ein neuer Stimmstock liegt bei etwa 110 EUR (Stand Okt. 2026, Beispielpreis).
- Griffbrett: Prüfe, ob es gleichmäßig und ohne tiefe Rillen ist. Abgenutzte Griffbretter werden abgerichtet (grob 90 bis 145 EUR, Stand Okt. 2026), ein komplett neues Griffbrett mit Sattel kann deutlich mehr kosten (ein Beispiel liegt bei rund 530 EUR).
- Wirbel: Sie müssen leicht drehen und halten. Wirbel einpassen kostet pro Stück etwa 40 EUR zuzüglich Material (Stand Okt. 2026).
- Hals und Halswinkel: Der Hals darf nicht nach hinten gekippt wirken, und der Steg sollte nicht auffällig tief oder hoch stehen. Ein Eingriff am Hals gehört ausschließlich in die Fachwerkstatt.
Klang und die C-Saite
Gerade die C-Saite verrät viel. Sie sollte rund, dunkel und kräftig ansprechen, ohne Dumpfheit oder Schnarren. Eine leere, nasale oder wolfige C-Saite lässt sich teilweise über Saiten und Einrichtung verbessern, gelegentlich ist sie aber ein Merkmal des Instruments. Klingt eine Viola zu dünn oder fühlt sie sich zu steif an, liegt es häufig an Saiten oder Steg, nicht am Instrument. Details dazu im Ratgeber zu Violasaiten und Einrichtung.
Händler, Geigenbauer oder Privatverkauf
Beim Geigenbauer oder Fachhändler bekommst du eine geprüfte, eingerichtete Viola, oft mit Beratung, Tauschmöglichkeit auf die nächste Größe und teils mit Anrechnung früherer Miete. Dafür liegen die Preise höher. Beim Privatverkauf sind Schnäppchen möglich, Zustand und Einrichtung sind aber häufig unbekannt. Halte Verkäuferangaben zum Zustand schriftlich fest, vergleiche sie mit dem tatsächlichen Instrument und lass es im Zweifel vor dem Kauf von einer Werkstatt ansehen. Hilfreich ist auch, die Lehrkraft einzubinden.
Der Gebrauchtmarkt für Violen ist deutlich kleiner als für Geigen. Plane Geduld ein und kauf nicht vorschnell, nur weil gerade eine Viola in Reichweite ist.
Mieten oder kaufen?
Für Anfänger und Kinder, die noch wachsen, ist Mieten oft sinnvoll, denn die richtige Größe ändert sich, und der Tausch auf die nächste Größe ist bei Mietmodellen meist unkompliziert. In Deutschland starten Mietpreise bei Fachwerkstätten etwa ab 25 EUR pro Monat (Stand Okt. 2026), teils ohne Mindestdauer, mit eingerichteter Viola, Bogen, Koffer und Zubehör. Üblich sind außerdem ein Leihinstrument während Reparaturen, eine optionale Versicherung und die Anrechnung einiger Monatsmieten auf einen späteren Kauf (zum Beispiel drei Monatsmieten, bei längerer Mietdauer mehr). Prüfe die Bedingungen im Einzelfall.
Kaufen ist besser, wenn du erwachsen und bei der Größe sicher bist und länger spielen willst. Rechne einmal durch: 25 EUR im Monat sind 300 EUR im Jahr, und damit bereits die Preisklasse eines einfachen Einsteigersets.
Preise in Deutschland
| Stufe | Preisrahmen (Stand Okt. 2026) | Was dich erwartet |
|---|---|---|
| Sehr günstig | ab ca. 100 EUR | Massenware aus Fernost, oft schwer einzurichten, klanglich unsicher |
| Einsteiger-Set | ca. 300 bis 800 EUR, bei Fachhändlern auch ab ca. 1.000 EUR | Viola mit Bogen und Tasche oder Koffer, die Angaben schwanken je nach Quelle |
| Mittelklasse (Werkstatt) | ca. 1.700 bis 3.600 EUR | Handwerklich gefertigt, besseres Holz, klarere Ansprache |
| Meisterinstrument | ab ca. 3.000 EUR aufwärts | Handgefertigt, individueller Klang |
Eine generalüberholte Schülerviola aus der Werkstatt wird teils schon um etwa 350 EUR angeboten (Richtwert, Einzelfall). Preise ändern sich, nimm sie als Orientierung.
Komplettset und Bogen
Ein Set enthält meist Viola, Bogen, Koffer und Kolophonium. Das ist für den Einstieg wirtschaftlich. Der Violabogen ist etwas kürzer und schwerer als der Geigenbogen (Gewicht grob 70 bis 72 g gegenüber 60 bis 62 g bei der Geige) und hat breiteres Haar. Als grobe Zuordnung gilt: Violen von 15 bis 16,5 Zoll nehmen einen 4/4-Bogen, 13 bis 14 Zoll einen 3/4-Bogen, 12 Zoll einen 1/2-Bogen und 11 Zoll einen 1/4-Bogen. Beim Gebrauchtkauf solltest du prüfen, ob der Bogen wirklich ein Violabogen ist und nicht ein untergeschobener Geigenbogen.
Kosten für Einrichtung und Reparatur
Auch eine günstige Viola braucht eine saubere Einrichtung (Steg, Stimmstock, Saiten, Wirbel). Das lohnt sich besonders bei Billig-Instrumenten, denn die Einrichtung entscheidet über Klang und Spielbarkeit. Richtwerte für Deutschland (Stand Okt. 2026): Neuer Steg ca. 140 bis 220 EUR, neuer Stimmstock ca. 110 EUR, Griffbrett abrichten ca. 90 bis 145 EUR, Wirbel einpassen ca. 40 EUR je Stück plus Material, Neubehaarung des Bogens ca. 105 bis 120 EUR, offene Fugen verleimen ca. 20 bis 100 EUR. Die Preise gelten für Geige und Viola ähnlich, genaue Kosten nennt die Werkstatt nach Ansicht des Instruments. Eingriffe an Decke, Hals oder Innenverstrebungen sowie das Setzen des Stimmstocks gehören in die Fachwerkstatt, auch wenn die Arbeit einfach aussieht.
Häufige Fehler beim Kauf
- Größe nach Tabelle oder Alter statt per Probespiel wählen.
- Zu groß kaufen, weil das Kind noch wächst.
- Ein billiges Instrument ohne Einrichtung kaufen und dann am Klang verzweifeln.
- Risse unter dem Stimmstock oder frische Reparaturen nicht erkennen.
- Violabogen und Geigenbogen verwechseln.
- Die Mensur ignorieren und nur auf die Korpuslänge achten.
Wer eine Viola erst ausprobieren möchte, ohne sich zu binden, ist bei einem Mietmodell gut beraten. Vor dem Kauf lohnt immer ein Termin mit der Lehrkraft.