Für den Einstieg ist ein 4-Saiter mit 34 Zoll Mensur (Long Scale) die sichere Wahl: Er ist der Standard, hat den schmalsten Hals, deckt den größten Teil des Repertoires ab und lässt sich später am leichtesten wieder verkaufen. Eine fünfte, tiefe H-Saite lohnt sich, wenn deine Musik wirklich Töne unter dem tiefen E verlangt. Eine kurze Mensur (30 Zoll) ist vor allem für Kinder, Jugendliche und kleine Hände sinnvoll und kein "Spielzeug-Format", sondern eine eigene, eigenständig klingende Bauart.

Saitenzahl: vier, fünf oder sechs Saiten

Ein E-Bass ist standardmäßig mit vier Saiten in Quarten gestimmt: E-A-D-G, eine Oktave unter den vier tiefsten Gitarrensaiten. Das tiefe E schwingt mit etwa 41 Hz. Notiert wird der Bass üblicherweise eine Oktave höher, als er klingt.

Vier Saiten: der Standard

Der Viersaiter ist das Referenzinstrument für Pop, Rock, Funk, Blues, Soul und Jazz. Viele prägende Bassisten dieser Stile haben fast ausschließlich auf vier Saiten gespielt, die Saitenzahl ist also keine Frage der Kunstfertigkeit. Für Einsteiger spricht vieles für diese Variante: Der Hals ist schmaler, es gibt weniger Saiten, die ungewollt mitschwingen und gedämpft werden müssen, und das Instrument ist etwas leichter. Auch Lehrmaterial und Kurse gehen fast immer von vier Saiten aus.

Fünf Saiten: zusätzliche Tiefe

Der Fünfsaiter ergänzt eine tiefe H-Saite (B-E-A-D-G). Das tiefe H liegt bei etwa 31 Hz und damit eine Quarte unter dem E. Diese Bauform setzte sich ab Mitte bis Ende der 1970er-Jahre durch; einen frühen Sonderfall gab es schon 1965 mit dem Fender Bass V, der aber ein hohes C statt eines tiefen H hatte (E-A-D-G-C). Die H-Saite wird vor allem in Metal, Gospel, modernem Worship, R&B und manchen Funk- und Studio-Kontexten verlangt. Ein zweiter Vorteil: Du erreichst viele Töne ohne Lagenwechsel, zum Beispiel ein tiefes E, A oder C in einer Position, wo du auf dem Viersaiter weit hochrutschen müsstest.

Dem stehen Nachteile gegenüber, die Einsteiger kennen sollten:

  • Die tiefe Saite muss aktiv gedämpft werden, sonst dröhnt sie mit. Fingerspieler legen dazu häufig den Daumen oder die Finger ab, Plektrum- und Slap-Spieler nutzen den Handballen. Das ist zusätzliche Technik, die man erst lernen muss.
  • Der Hals ist breiter (typisch etwa 45 mm am Sattel gegenüber etwa 38 mm beim Viersaiter, als Richtwert) und der Saitenabstand am Steg ist oft sogar enger. Beides verlangt mehr Präzision der Greifhand.
  • Viele Fünfsaiter haben 35 Zoll Mensur, damit die H-Saite straff genug bleibt. Das macht die Bundabstände etwas weiter.
  • Nicht jeder Verstärker und jede Box gibt Frequenzen unter 40 Hz sauber wieder. Wenn der Amp die H-Saite nur schwammig darstellt, liegt das nicht am Spieler.
  • Eine "schwammige" H-Saite am Instrument ist häufig ein Einstellungsthema: Saitenstärke, Mensur und Saitenlage sind entscheidend für eine fokussierte tiefe Saite, nicht allein der Preis des Basses.

Sechs Saiten: Tiefe und Höhe

Der Sechssaiter (B-E-A-D-G-C) ergänzt zusätzlich ein hohes C. Er entstand ebenfalls Mitte der 1970er-Jahre als Auftragsarbeit für einen Bassisten, der Akkord- und Solospiel in einer Lage verbinden wollte. Der Hals ist deutlich breiter (oft über 48 mm), das Dämpfen anspruchsvoll. Üblich ist er in Fusion, Progressive und bei Solisten. Als erstes Instrument ist er in der Regel nicht empfehlenswert. Sieben und mehr Saiten gelten als Extended-Range-Instrumente für Spezialfälle.

Mensur: Short, Medium, Long und Extra Long

Die Mensur ist die schwingende Saitenlänge zwischen Sattel und Steg. Sie bestimmt Spannung, Bundabstände, Gewicht des Halses und den Charakter der Töne.

BezeichnungLängeTypischer Einsatz
Short Scaleca. 30 Zoll (762 mm), manche Modelle 30,5 ZollKinder, Jugendliche, kleine Hände, runder Klang
Medium Scale32 Zoll (ca. 813 mm)Kompromiss, selten
Long Scale34 Zoll (864 mm)Weltweiter Standard
Extra Long Scale35 Zoll (889 mm), vereinzelt 36 ZollMeist Fünfsaiter und mehr, straffe H-Saite

Der 34-Zoll-Standard geht auf den Precision Bass von 1951 zurück. Frühere E-Bässe leiteten sich vom Kontrabass ab, dessen Mensur bei etwa 43 Zoll liegt.

Spannung, Klang und Spielgefühl

Bei gleicher Tonhöhe und gleicher Saite wächst die Spannung mit dem Quadrat der Mensur. Rechnerisch hat eine 30-Zoll-Saite etwa 22 Prozent weniger Spannung als eine 34-Zoll-Saite; im Netz werden meist rund 20 Prozent genannt. Praktisch heißt das:

  • Short Scale: lockeres Spielgefühl, die Saiten lassen sich leichter greifen und ziehen. Die Bünde liegen enger zusammen (der erste Bund ist bei 30 Zoll rund 43 mm vom Sattel entfernt, bei 34 Zoll rund 48 mm). Der Klang wirkt häufig rund, warm und "fett", dafür etwas weniger definiert. Mit zu dünnen Saiten oder sehr tiefen Stimmungen kann er schlabbrig werden; dann helfen dickere Saiten.
  • Long Scale: straffere Saiten, mehr Attack, ein klarerer, fokussierter Ton, besonders auf den tiefen Saiten. Dafür sind die Bundabstände größer, der Hals ist länger und oft kopflastiger, und Einsteiger müssen mehr dehnen.
  • Medium Scale: liegt dazwischen. Das Angebot ist kleiner, es lohnt sich bei kleinen Händen, wenn dir 30 Zoll zu locker klingen.
  • Extra Long Scale: besonders straffe, kräftige H-Saite bei Fünfsaitern. Die tiefen Lagen sind aber weiter auseinander und werden körperlich anstrengender.

Kinder und kleine Hände

Für Kinder und Jugendliche mit kleinen Händen sind 30 Zoll gut geeignet: kürzerer Hals, enger Bundabstand, leichtere Spannung. Die Greifstrecke wird grob um etwa ein Zehntel kürzer (Richtwert). Short-Scale-Bässe sind übrigens keine reinen Anfängerinstrumente; sie sind seit den 1950er-Jahren in Gebrauch (etwa Höfner 500/1 mit 30 Zoll von 1956, Gibson EB-3 von 1961 mit 30,5 Zoll, Fender Mustang Bass mit 30 Zoll) und werden bis heute von erfahrenen Spielern wegen ihres Klangs gewählt. Aktuelle Modellbeispiele mit 30 Zoll sind der Fender Player Mustang PJ oder die Squier-Bronco-Linie. Prüfe vor dem Kauf immer das Datenblatt: Auf Fotos erkennst du die Mensur kaum, und nicht jeder kleine Korpus hat auch eine kurze Mensur.

Halsbreite und Saitenabstand

Mensur und Saitenzahl sind nicht die einzigen Faktoren für den Komfort. Entscheidend sind auch Sattelbreite, Saitenabstand und Halsprofil.

  • Viersaiter: Sattelbreite meist etwa 38 mm (1,5 Zoll), je nach Modell zwischen rund 36 und 46 mm. Jazz-Bass-artige Hälse sind schmaler und gelten für Einsteiger als angenehm; Precision-artige Hälse sind etwas breiter.
  • Fünfsaiter: meist etwa 45 mm, es gibt schmalere und breitere (bis etwa 50 mm).
  • Sechssaiter: ab etwa 48 mm aufwärts.
  • Der Saitenabstand am Steg liegt bei Viersaitern häufig um 19 mm, bei Fünfsaitern oft um 17 mm (Richtwerte, je nach Modell abweichend). Mehr Saiten auf nur wenig mehr Breite bedeuten weniger Spielraum für die Zupfhand.

Mehr zu den Halsprofilen der beiden Klassiker findest du im Vergleich Precision Bass und Jazz Bass.

Wann welcher Bass

  • Du fängst an und weißt noch nicht, welche Musik: 4 Saiten, 34 Zoll. Der Hals ist der "Normalfall", alles, was du lernst, überträgt sich auf jeden anderen Bass.
  • Du bist Kind oder Jugendlicher, hast kleine Hände oder Beschwerden beim Greifen: 4 Saiten, 30 Zoll (oder 32 Zoll), schmaler Hals.
  • Du spielst Metal, Gospel oder Worship und willst tiefer als E: 5 Saiten, möglichst 35 Zoll und ein Verstärker, der tiefe Töne wiedergeben kann. Das ist auch als Einsteiger möglich, weil die Grundtechniken gleich sind; plane aber mehr Übung im Dämpfen ein.
  • Du brauchst nur gelegentlich ein tiefes D oder C: Ein Viersaiter kann die tiefste Saite herunterstimmen (Drop D, E zu D). Das ist oft die einfachste Lösung, kostet aber Spannung, deshalb sind dickere Saiten sinnvoll. Es gibt auch Stimmhebel, die die tiefste Saite per Knopfdruck um einen Ganzton absenken.
  • Du suchst Akkorde, Solo und hohe Lagen: Sechssaiter sind für fortgeschrittene Spieler, nicht für den Start.

Stimmung und Drop-Tuning

Das Grundprinzip ist bei allen Varianten gleich: Quarten von der tiefsten bis zur höchsten Saite. Beim Fünfsaiter kommt unten ein H dazu, beim Sechssaiter oben ein C. Wenn du eine Saite herunterstimmst, braucht sie mehr Gewicht, sonst wirkt sie matt: Zu locker aufgezogene Saiten schnarren leichter. Auf Short-Scale-Bässen gilt das verstärkt. Nach größeren Stimmungsänderungen ist es sinnvoll, die Saitenlage und Intonation (Oktavreinheit am 12. Bund) zu überprüfen.

Eine heruntergestimmte E-Saite, die nicht passend bespannt ist, klingt oft schlechter als eine echte H-Saite. Wer Drop D dauerhaft nutzt, sollte einen dafür passenden Saitensatz verwenden.

Einsteiger-Setups und Kosten

Neu

Sets mit Verstärker, Gurt, Kabel und Stimmgerät liegen bei einfachen Einstiegsangeboten unter 200 EUR (Stand Okt. 2026), allerdings oft mit sehr einfachen Instrumenten. Als Richtwert für gute Einsteiger- und Mittelklasse-Bässe gelten etwa 200 bis 500 EUR, darüber (etwa 500 bis 1.000 EUR) gibt es hochwertigere Hölzer und Hardware. Ein verbreitetes Einsteigermodell, der Squier Affinity P Bass PJ, liegt bei etwa 259 bis 269 EUR als Einzelinstrument (Stand Okt. 2026), Bundles mit Zubehör ab etwa 295 EUR. Dazu kommen ein Übungsverstärker, ein Instrumentenkabel, ein Gurt und ein Stimmgerät. Fünfsaiter kosten bei ähnlicher Ausstattung meist etwas mehr als Viersaiter, Short-Scale-Modelle streuen je nach Marke und Serie stark; vergleiche aktuelle Angebote für das genaue Modell.

Gebraucht

Gebrauchte Einsteiger-Bässe werden häufig für etwa 150 bis 500 EUR angeboten, viele Inserate liegen bei 190 bis 400 EUR (Stand Okt. 2026, Richtwerte aus Kleinanzeigen). Gebrauchte Fünfsaiter finden sich ungefähr zwischen 220 und 400 EUR. Die Streuung ist groß, weil Zustand, Zubehör und Marke stark variieren. Ob sich ein Gebrauchtkauf lohnt, hängt davon ab, ob das Instrument ordentlich eingestellt ist: Ein günstiger Bass, der erst eine Werkstatt braucht (Einstellung, Elektronik, Bundarbeiten), kann so viel kosten wie ein neuer Einsteiger-Bass. Was Werkstätten für die Einstellung verlangen, hängt vom Betrieb ab, Angebot einholen. Wie du Zustand und Elektrik beim Gebrauchtkauf prüfst, steht in E-Bass gebraucht kaufen: Worauf achten.

Gebrauchtwert: Vier- gegen Fünfsaiter

Viersaiter sind verbreiteter, die Nachfrage ist breiter und der Wert hält sich meist etwas besser. Fünfsaiter finden schwerer Käufer, wenn sie nicht zu einer klaren Stilrichtung passen. Auch bei Short-Scale-Modellen entscheidet die Marke: Beliebte Klassiker sind gut verkäuflich, Nischenmodelle brauchen Geduld.

Linkshänder

Linkshänder-Bässe gibt es nur in kleinerer Auswahl und oft zu einem Aufpreis; manche Serien bieten sie gar nicht mehr an. Viele Spieler entscheiden sich deshalb bewusst für einen normalen Rechtshänder-Bass, weil beide Hände beim Bass gleich wichtig sind und die Auswahl dann viel größer ist. Wer links spielen möchte, sollte beim Kauf auf Verfügbarkeit des gewünschten Modells und auf den späteren Wiederverkaufswert achten, denn Linkshänder-Instrumente sind schwerer wiederzuverkaufen.

Häufige Fehler beim Erstkauf

  • Fünfsaiter "für später" kaufen, obwohl die Musik die tiefe Saite gar nicht braucht. Du lernst mit einem breiteren Hals und zusätzlichem Dämpfen, ohne sofort etwas zu gewinnen.
  • Mensur nicht prüfen. Ein "Kinderbass" mit 34 Zoll bringt keinen Vorteil, ein Short Scale auf einem Instrument ohne passende Saiten klingt schlabbrig.
  • Nur auf den Preis schauen. Das Zubehör (Verstärker, Kabel, Gurt, Stimmgerät) und die Einstellung gehören ins Budget.
  • Online kaufen, ohne zu spielen. Halsprofil, Gewicht und Kopflastigkeit merkst du erst in der Hand. Wenn möglich, probiere mindestens zwei Hälse.
  • Zu hohe Saitenlage übersehen. Eine hohe Lage lässt jeden Bass schwerer wirken, als er ist, und lässt sich meist mit einer Einstellung beheben.
  • Als Einsteiger blind gebraucht kaufen. Es ist möglich, aber Mängel an Hals, Elektronik oder Bünden erkennt man ohne Erfahrung schlecht.
  • Die Klangfarbe der Elektronik vergessen. Aktive und passive Schaltungen verändern den Eindruck stark, siehe aktive und passive Elektronik.

Mythen

  • "Mehr Saiten bedeuten den besseren Bassisten": Falsch. Viele prägende Aufnahmen entstanden auf vier Saiten, und die meisten Bassisten wechseln je nach Stil.
  • "Ein Short Scale ist nur etwas für Kinder": Falsch. Er ist ein eigener Klangcharakter mit langer Geschichte und wird bis heute von erfahrenen Spielern geschätzt.
  • "Ein Fünfsaiter klingt automatisch tiefer und fetter": Nicht automatisch. Eine schlecht eingestellte oder zu kurz mensurierte H-Saite klingt wolkig. Klarheit hängt von Mensur, Saiten, Einstellung und Verstärker ab.
  • "Anfänger lernen auf einem Fünfsaiter falsch": Man kann auch mit fünf Saiten starten, Fähigkeiten übertragen sich. Der Viersaiter ist nur der bequemere Weg.
  • "Lange Mensur klingt immer besser": Sie klingt anders: klarer und straffer. Wärme und Rundheit sind bei kurzer Mensur Geschmackssache, kein Mangel.

Checkliste vor dem Kauf

  1. Welche Musik willst du spielen, und brauchst du Töne unter dem tiefen E?
  2. Wie groß sind deine Hände, und wer spielt (Kind, Jugendlicher, Erwachsener)?
  3. Mensur und Sattelbreite im Datenblatt prüfen.
  4. Budget für Verstärker, Kabel, Gurt, Stimmgerät und Einstellung einplanen.
  5. Mindestens zwei Hälse in der Hand haben, wenn möglich auch einen Short Scale und einen Long Scale.
  6. Bei Gebrauchtkauf Zustand und Setup prüfen, siehe Gebraucht kaufen.