Eine "Stimme" (Voice) ist der komplette Signalweg (Oszillatoren, Filter, Hüllkurven), der für einen einzelnen Ton gebraucht wird; Polyphonie ist schlicht, wie viele Stimmen ein Synth gleichzeitig zur Verfügung hat.

Voice Stealing

Versucht man mehr Töne zu spielen, als Stimmen verfügbar sind, muss der Synth einer gerade klingenden (oft noch ausklingenden) Note die Stimme "stehlen", um sie für den neuen Ton freizugeben - meist bricht dabei die ältere Note abrupt ab, statt natürlich auszuklingen. Das ist völlig normales Verhalten bei jedem polyphonen Synth, sobald das Limit erreicht ist - keine Fehlfunktion.

Wie viele Stimmen wirklich reichen

  • Einfache Melodielinien oder Basslinien brauchen selten mehr als eine Handvoll Stimmen.
  • Volle Akkorde, besonders mit langem Release, sodass alte Töne noch klingen, während neue gespielt werden, verbrauchen deutlich schneller Stimmen, als die Anzahl gleichzeitig gehaltener Tasten vermuten lässt.
  • Als praktische Faustregel: für akkordbasiertes Spiel mit Sustain gibt die Verdopplung der Anzahl gleichzeitig gehaltener Töne sinnvolle Reserve, damit vorherige Akkorde ausklingen können, ohne von neuen abgeschnitten zu werden.

Viele klassische Vintage-Analog-Polysynths boten nach heutigem Maßstab nur eine Handvoll Stimmen (oft im einstelligen Bereich) - wissenswert, wenn man die Spezifikationen eines Vintage-Instruments mit einem modernen Synth mit deutlich höherer Standard-Polyphonie vergleicht.