Kurz gesagt: Ein Setup ist die Summe aller mechanischen Einstellungen, die bestimmen, wie sich eine E-Gitarre spielt: Halskrümmung (Relief), Saitenlage (Action), Oktavreinheit (Intonation), Sattel und Tonabnehmerhöhe. Die richtige Reihenfolge ist Relief, dann Action, dann Intonation. Vieles davon kannst du mit wenig Werkzeug selbst prüfen und in kleinen Schritten anpassen. Bei Widerstand am Halsstab, bei abgespielten Bünden und bei allem, was Material abträgt oder ersetzt, gehört die Gitarre in die Werkstatt.

Was ein Setup umfasst

Zwei baugleiche Gitarren können sich je nach Einstellung völlig unterschiedlich anfühlen. Deshalb ist eine gebrauchte Gitarre, die sich beim Antesten schlecht spielt, oft kein Reparaturfall, sondern braucht nur ein Setup. Ein vollständiges Setup besteht meist aus diesen Punkten:

  • Frische Saiten, denn alte Saiten verfälschen jede Messung und jede Intonation.
  • Halsrelief über den Halsspannstab (Trussrod).
  • Saitenlage an der Brücke, bei Tremolo-Gitarren inklusive Tremolo-Winkel.
  • Sattel: Höhe und Zustand der Kerben.
  • Intonation an den Saitenreitern.
  • Tonabnehmerhöhe, Elektrik-Sichtprüfung (Wackelkontakte, Buchse) und Reinigung.
  • Je nach Bedarf Bundpolitur oder Bundabrichten.

Die Reihenfolge ist kein Zufall. Das Relief verändert die Saitenlage, die Saitenlage verändert die effektive Saitenlänge und damit die Intonation. Wer zuerst intoniert und dann den Halsstab bewegt, fängt von vorn an.

Halsrelief prüfen

Relief nennt man die minimale Vorwärtskrümmung des Halses, die den Saiten Platz zum Schwingen gibt. Ein völlig gerader Hals schnarrt häufig, ein zu stark gekrümmter Hals macht die Saiten in der Mitte hoch und das Spiel zäh.

Messmethode

  1. Gitarre sauber stimmen und in Spielhaltung nehmen, mit frischen oder zumindest nicht ausgeleierten Saiten.
  2. Die tiefe E-Saite am ersten Bund greifen (ein Capo ersetzt die Greifhand) und gleichzeitig am letzten Bund oder dort, wo der Hals in den Korpus übergeht, herunterdrücken. Die Saite dient jetzt als Lineal.
  3. Den Spalt zwischen Saitenunterseite und Bundoberkante etwa am 7. bis 9. Bund ansehen. Mit einer Fühlerlehre lässt er sich messen; ohne Lehre siehst du zumindest, ob überhaupt ein Spalt vorhanden ist.

Richtwerte

Die Angaben schwanken je nach Quelle, grob liegt das übliche Relief zwischen 0,15 und 0,3 mm (Richtwert). Häufig genannt werden etwa 0,2 bis 0,25 mm. Spieler mit hartem Anschlag und Verzerrung brauchen eher etwas mehr, Spieler mit leichtem Anschlag kommen mit weniger aus. Wichtiger als die genaue Zahl ist, dass die Saite nicht schnarrt und die Gitarre sich komfortabel spielt.

Halsstab: nur kleine Schritte

Der Halsspannstab ist ein Stahlstab im Hals, der der Saitenzug entgegenwirkt. Es gibt Einfachwirkung (nur ein Anziehen gegen die Vorwärtskrümmung) und Doppelwirkung (der Stab kann in beide Richtungen arbeiten). Zugänglich ist er je nach Bauweise an der Kopfplatte oder am Halsfuß, bei vielen Hälsen mit Set-Neck-Konstruktion hinter einer kleinen Abdeckung. Mehr zu den Hals-Bauweisen findest du in unserem Beitrag zu Bolt-on, Set-Neck und Neck-Through.

So gehst du vor

  • Drehung nach rechts (im Uhrzeigersinn) strafft den Stab, der Hals wird gerader, das Relief kleiner. Drehung nach links lockert ihn, das Relief wächst.
  • Immer nur ein Achtel bis eine Viertelumdrehung, danach neu stimmen und den Hals einige Minuten einpendeln lassen, bevor du erneut misst.
  • Passt das Ergebnis nach ein bis zwei kleinen Schritten noch nicht, mach eine Pause und miss später erneut. Der Hals reagiert zeitverzögert.

Wann die Werkstatt ran muss

Lass die Finger davon und bring die Gitarre zum Fachbetrieb, wenn sich der Stab schwer drehen lässt, die Einstellung kaum Wirkung zeigt, sich eine Rückbiegung auch bei ganz gelockertem Stab nicht korrigiert oder der Hals sichtbar verzogen ist. Dann besteht die Gefahr, dass der Stab durchdreht oder das Gewinde beschädigt wird. Der Austausch eines Stabs ist ein größerer Eingriff und liegt preislich deutlich über einem normalen Setup.

Saitenlage (Action)

Die Action ist der Abstand zwischen Saite und Bund. Gemessen wird am 12. Bund von der Oberkante des Bundes bis zur Unterkante der Saite, am einfachsten mit einem Lineal mit Millimeterteilung. Für E-Gitarren gelten diese Richtwerte:

BereichSaitenlage am 12. Bund
Übliche Spanne (Richtwert)etwa 1,6 bis 2,4 mm
Hohe E-Saiteetwa 1,5 bis 2,0 mm
Tiefe E-Saiteetwa 1,6 bis 2,5 mm
Sehr niedrig (Lead, leichter Anschlag)ab etwa 1,0 bis 1,5 mm
Eher höher (Rhythmus, harter Anschlag)etwa 2,0 bis 2,5 mm

Niedrige Action lässt sich leichter greifen, schnarrt aber eher. Hohe Action schnarrt weniger, kostet aber Kraft und kann das Spiel in den hohen Lagen unsauber machen. Auch der Griffbrettradius spielt mit: Ein stark gewölbtes Griffbrett (kleiner Radius) braucht für Bendings etwas mehr Luft, flachere Griffbretter vertragen niedrigere Werte.

Je nach Brücke stellst du die Höhe an Madenschrauben an den Reitern (Stratocaster-Stil), an Rädern an den Pfosten (Les-Paul-Stil) oder an den Pfosten eines schwebenden Tremolos ein. Heb oder senk immer in kleinen Schritten, stimm nach und prüf, ob die Saite an keinem Bund schnarrt. Bei schwebenden Tremolos hängt die Höhe zusätzlich vom Tremolo-Winkel ab, mehr dazu unter Tremolo-Systeme erklärt.

Oktavreinheit und Intonation

Die Bundabstände sind fest, aber jede Saite hat andere Dicke und Masse. Deshalb muss die schwingende Länge jeder Saite einzeln an der Brücke angepasst werden, damit die Gitarre auch in den hohen Lagen stimmt, nicht nur bei leeren Saiten.

Prüfen und einstellen

  1. Frische Saiten aufziehen, genau stimmen (Stimmgerät).
  2. Das Flageolett am 12. Bund anschlagen (Saite nur berühren, nicht drücken) und den Ton merken oder am Stimmgerät ablesen.
  3. Dieselbe Saite am 12. Bund normal greifen. Beide Töne sollten übereinstimmen.
  4. Klingt der gegriffene Ton zu hoch, ist die Saite zu kurz: Reiter nach hinten (vom Sattel weg) verschieben. Klingt er zu tief, den Reiter nach vorn verschieben.
  5. Nach jeder Änderung neu stimmen und erneut vergleichen. Danach kontrollieren, ob die leeren Saiten noch stimmen.

Dafür brauchst du nur einen Schraubendreher und ein Stimmgerät. Wer die Saitenlage ändert, sollte die Intonation danach neu prüfen.

Tonabnehmerhöhe

Der Abstand der Tonabnehmer zu den Saiten beeinflusst Lautstärke, Klarheit und Sustain. Gemessen wird üblicherweise, indem du die Saite am letzten Bund herunterdrückst und den Abstand zwischen Saitenunterseite und Oberkante der Polstücke bestimmst, getrennt für Bass- und Diskantseite. Die Diskantseite steht meist etwas näher an den Saiten als die Bassseite. Die Angaben schwanken je nach Messweise stark, als Anhaltspunkte (Richtwerte, gemessen am letzten Bund) gelten:

  • Single-Coils im Strat-Stil: etwa 2,0 mm (Bass) und 1,6 mm (Diskant).
  • Humbucker: etwa 2,4 mm (Bass) und 2,0 mm (Diskant), bei Humbuckern ist die Einstellung weniger kritisch.
  • P90: etwa 2,0 bis 2,5 mm (Bass) und 1,8 bis 2,2 mm (Diskant).
  • Aktive Tonabnehmer: eher etwas weiter weg, etwa 2,5 bis 3,0 mm.

Steht ein Tonabnehmer zu nah, zieht sein Magnet an den Saiten und stört deren Schwingung: Der Ton wird wabbelig, das Sustain kürzer, die Intonation leidet. Zu weit weg klingt es dünn und leise. Stell immer nur eine Seite um eine Viertelumdrehung der Schrauben und hör dann sauber (clean) probe. Mehr zur Klangwirkung der Bauarten steht unter Single-Coil oder Humbucker.

Saitenstärken: 009, 010 und 011

Die Saitenstärke wird in Tausendstel Zoll angegeben und benennt meist die dünne E-Saite. Die gängigen Sätze:

SatzStärkenCharakter
009 (Extra Light).009 / .011 / .016 / .024 / .032 / .042Leicht zu greifen und zu biegen, bei Lead und Einsteigern beliebt, kann dünner klingen
010 (Regular Light).010 / .013 / .017 / .026 / .036 / .046Für viele die Standardwahl, Mischung aus Spielgefühl und Druck
011 (Medium).011 / .014 / .018 / .028 / .038 / .048Voller und stabiler, braucht mehr Fingerkraft

Mensur und Spielgefühl

Wie ein Satz sich anfühlt, hängt stark von der Mensur ab, der frei schwingenden Saitenlänge. Je kürzer die Mensur, desto weicher fühlt sich derselbe Satz an. Dieselbe Saite auf demselben Ton ist auf einer langen Mensur (25,5 Zoll) rechnerisch rund 6 Prozent straffer als auf der kurzen (24,75 Zoll). Deshalb greifen viele auf der kurzen Mensur eher zu einem Satz mit etwas dickeren Saiten als auf der langen.

Stimmung und Setup-Folgen

  • Bei tieferen Stimmungen nimmt man dickere Saiten, damit die Spannung nicht einbricht: etwa eine Nummer stärker bei einem Halbton tiefer, bei Drop D oft nur eine dickere tiefe E-Saite, bei zwei Halbtönen tiefer eher 011 oder 012.
  • Ein Wechsel um eine Stärke ändert die Gesamtspannung merklich (grob um 15 Prozent von 010 auf 011). Dadurch verändert sich das Relief: Dickere Saiten ziehen den Hals stärker nach vorn, dünnere lassen ihn gerader werden. Prüf nach dem Wechsel Relief, Action und Intonation.
  • Dickere Saiten passen eventuell nicht ohne Weiteres in die Sattelkerben. Bleiben sie hängen und verstimmen sich, braucht der Sattel Arbeit (Werkstatt).
  • Bei schwebenden Tremolos verändert ein anderer Satz den Gleichgewichtswinkel, das Tremolo muss neu eingestellt werden.
  • Dünne Saiten verziehen sich beim Greifen leichter. Wer kräftig greift, kommt mit etwas dickeren Saiten oft sauberer klar.

Beim Antesten einer gebrauchten Gitarre lohnt die Frage nach dem aufgezogenen Satz. Eine ungewöhnlich dünn oder dick bespannte Gitarre zeigt nicht, wie sie sich mit einem gängigen Satz spielt, und manche Gitarre wurde auf die jeweilige Stärke eingestellt.

Saitenwechsel

Beim Wechsel solltest du die Saiten einzeln tauschen, damit der Hals nie komplett entspannt wird, oder alle auf einmal, wenn du gleichzeitig Griffbrett und Hardware reinigen willst. Die neuen Saiten ziehst du mit zwei bis drei Windungen auf den Wickelstift, streckst sie vorsichtig und stimmst mehrfach nach, bis sie die Stimmung halten. Wie oft du wechselst, hängt vom Spiel ab: Bei intensivem Spiel zeigen sich Verschleiß und Klangverlust schon nach ein bis zwei Wochen, nach etwa drei Monaten oder rund 100 Stunden sind Saiten bei den meisten deutlich abgespielt (Richtwert). Schweiß, aggressive Hände und Korrosion verkürzen die Lebensdauer.

Bundstäbchen-Verschleiß

Bünde verschleißen durch Spielen und Bending, besonders im Bereich der ersten Bünde bis etwa zum neunten Bund und meist unter den dünnen Saiten. Etwas Abnutzung ist bei einer gebrauchten Gitarre normal.

Anzeichen

  • Sichtbare Abflachungen oder Rillen im Bund unter den Saiten, die man mit dem Fingernagel ertastet.
  • Schnarren nur an bestimmten Bünden statt über den ganzen Hals. Das deutet eher auf ungleiche Bundhöhen als auf ein Halsstab- oder Action-Problem.
  • Tote Töne, abgewürgte Bendings oder ein "Zing", die an bestimmten Stellen auftreten.
  • Bei viel gespielten Gitarren kann der Verschleiß schon nach ein bis zwei Jahren sichtbar sein, bei weichem Bunddraht eher.

Abrichten oder Refret

Beim Abrichten (Bundabrichten mit Neukronen und Polieren) schleift die Werkstatt alle Bünde auf eine Ebene und rundet sie wieder ab. Das nimmt Material ab, ist aber ein Routineservice, der bei einer Gitarre mehrmals möglich ist. Beim Refret wird der Bunddraht komplett ersetzt. Nötig wird das, wenn die Bünde nach dem Abrichten zu niedrig wären. Als untere Grenze gelten für die meisten Spieler etwa 0,65 mm Bundhöhe (Richtwert), neue kleinere Bünde sind grob 0,8 bis 0,9 mm hoch. Nach einem Refret muss oft der Sattel angepasst werden. Beides sind Arbeiten mit Spezialwerkzeug, die in die Werkstatt gehören. Ein Griffbrett mit Binding verteuert den Refret.

Bei deutlich sichtbarem Verschleiß, besonders bei älteren oder viel gespielten Gitarren, solltest du beim Gebrauchtkauf einen möglichen Refret ins Budget einplanen, siehe auch Gebrauchte E-Gitarre kaufen.

Wie oft ein Setup nötig ist

Als Faustregel gilt ein Setup alle sechs bis zwölf Monate, bei viel Spielzeit eher häufiger. Holz arbeitet mit Temperatur und Luftfeuchte, deshalb verändert sich die Einstellung oft mit dem Wechsel der Jahreszeiten. Ein Saitenwechsel allein reicht dafür nicht immer. Nach dem Kauf einer gebrauchten Gitarre ist eine Kontrolle sinnvoll, weil du nicht weißt, wann und wie sie zuletzt eingestellt wurde.

Kosten in der Werkstatt (Deutschland, EUR)

Die Angaben sind Richtwerte aus veröffentlichten Preislisten (Stand Okt. 2026), tatsächliche Preise hängen von Betrieb und Zustand ab, meist inklusive Mehrwertsteuer:

LeistungRichtwert
Setup E-Gitarre (Standard)ca. 60 bis 70 EUR plus Saiten (Stand Okt. 2026)
Setup mit Tremoloca. 85 EUR
Setup mit Floyd Rose / Locking-Tremoloca. 100 bis 110 EUR
Saitenwechsel (Arbeit)ca. 35 EUR plus Saiten
Bundabrichten und polierenca. 110 bis 130 EUR, bei manchen Betrieben ab 120 EUR zuzüglich Setup
Bünde nur neu kronen und polierenab ca. 40 EUR
Komplett-Refretab ca. 230 EUR zuzüglich Material (mit Binding höher)
Neuer Sattelca. 75 EUR

Hinzu kommen Wartezeiten, die bei guten Betrieben mehrere Wochen betragen können. Tauschst du den Halsstab oder lässt Hals und Griffbrett reparieren, ist ein Angebot nötig.

Typische Fehler

  • Falsche Reihenfolge: erst Intonation, dann Halsstab. Jede Reliefänderung macht die Intonation wieder ungenau.
  • Zu große Halsstab-Schritte oder Gewalt gegen Widerstand.
  • Messen mit alten Saiten oder verstimmter Gitarre.
  • Action zu tief, bis der Ton abwürgt, nur weil sich "tief" gut anfühlt.
  • Saitenstärke wechseln und nichts nachstellen. Nach einem anderen Satz stimmen Relief, Action und Intonation selten noch.
  • Unpassender Tonabnehmerabstand, zu nah, wodurch der Ton wabbelt und das Sustain leidet.
  • Alle Probleme auf das Instrument schieben. Schnarren an wenigen Bünden ist häufig ein Bundthema, kein Halsthema.
  • Elektrik selbst reparieren ohne Kenntnis: Löten und Verdrahtung gehören in die Werkstatt.

Weitere typische Stolperfallen beim Kauf findest du unter Häufige Fehler bei der ersten E-Gitarre.