Eine erwachsene Konzertgitarre hat in der Regel eine Mensur von etwa 650 mm und eine Sattelbreite von 50 bis 52 mm. Für Kinder und Erwachsene mit kleinen Händen gibt es kürzere Größen von 7/8 bis 1/8, deren Maße von Hersteller zu Hersteller schwanken. Ein Cutaway erleichtert die hohen Lagen, kostet aber meist etwas Klang und Aufpreis und ist für Einsteiger selten nötig. Wichtiger als jedes Detail ist, dass Hals, Mensur und Korpus zu deinen Händen und deiner Körpergröße passen.

Mensur: was sie ist und warum sie zählt

Die Mensur ist die frei schwingende Saitenlänge zwischen Sattel und Steg. Sie bestimmt, wie weit die Bünde auseinanderliegen und wie viel Saitenspannung bei einer bestimmten Stimmung nötig ist. Auf der klassischen Gitarre hat sich seit dem 19. Jahrhundert ein Wert von rund 650 mm durchgesetzt. Eine zu lange Mensur bedeutet für die Greifhand größere Bundabstände und mehr Streckung, besonders in den tiefen Lagen. Eine zu kurze Mensur macht die Bünde eng und kann bei großen Händen verkrampfen.

Als Faustregel für Erwachsene findest du folgende Zuordnung nach Handspanne (Daumenspitze bis kleiner Finger bei gespreizter Hand). Es handelt sich um einen Richtwert, keine Norm:

  • unter ca. 170 mm: etwa 615 mm (7/8-Gitarre)
  • 170 bis 190 mm: etwa 630 mm
  • 190 bis 210 mm: etwa 640 mm
  • 210 bis 230 mm: 650 mm (Standard)
  • 230 bis 250 mm: etwa 656 mm
  • über 250 mm: etwa 664 bis 665 mm (Langmensur)

Das zeigt: Die meisten Erwachsenen sind mit 650 mm gut bedient. Mensuren zwischen 630 und 640 mm sind im Handel selten und stammen oft aus Einzelanfertigung; Langmensuren um 664 mm sind eher etwas für Spieler mit sehr großen Händen. Daneben betonen manche erfahrene Spieler, dass der Klang und die Verarbeitung der einzelnen Gitarre wichtiger sind als ein paar Millimeter Mensur. Beides stimmt: Probiere eine kürzere Mensur, wenn du Schmerzen oder Verspannungen bei Barré-Griffen und Streckungen hast, und kaufe sie nicht nur wegen der Zahl.

Gitarrengrößen von 1/8 bis 4/4

Konzertgitarren gibt es in deutlich mehr Größen als Westerngitarren. Die Bruchzahlen sind keine genormten Maße, sondern grobe Einordnungen. In Kaufratgebern und Datenblättern findest du für dieselbe Größe teils verschobene Mensurwerte, deshalb sind die Angaben unten Spannen.

GrößeMensur (Richtwert)KörpergrößeAlter (grob)Sattelbreite
4/4630 bis 650 mm, meist 650 mmab ca. 160 cmab ca. 13 Jahre50 bis 52 mm, schmale Hälse ca. 48 mm
7/8ca. 610 bis 630 mmca. 145 bis 160 cmca. 10 bis 14 Jahre, kleine Erwachseneoft 48 bis 50 mm
3/4ca. 580 bis 614 mmca. 130 bis 155 cmca. 10 bis 13 Jahre, kleine Händeoft ca. 48 mm
1/2ca. 530 bis 550 mmca. 115 bis 135 cmca. 7 bis 9 Jahreoft ca. 48 mm
1/4ca. 470 bis 490 mmca. 110 bis 125 cmca. 5 bis 8 Jahremeist schmaler als 48 mm
1/8bis ca. 440 mmbis ca. 110 cmca. 4 bis 7 Jahremeist schmaler als 48 mm

Die Werte überschneiden sich bewusst: Ein Kind mit 125 cm kann je nach Armlänge und Fingerlänge auf einer 1/4- oder 1/2-Gitarre besser sitzen. Nicht die Körpergröße allein entscheidet, sondern Armlänge, Fingerlänge und Handgröße. Im Zweifel ist die kleinere Größe die bessere Wahl, denn ein Kind kann auf einer etwas zu kleinen Gitarre sauber greifen, auf einer zu großen aber nicht.

Alle Größen haben 19 Bünde

Auch kleine Gitarren haben üblicherweise 19 Bünde (manche Datenblätter nennen 18 bis 20). Kinder verlieren also keinen Tonumfang, sie profitieren nur von den engeren Bundabständen. Der 12. Bund teilt die Saite weiter in zwei gleiche Hälften und liegt bei den klassischen Bauformen meist dort, wo der Hals in den Korpus übergeht.

Warum 3/4 nicht gleich 3/4 ist

Es gibt keine einheitliche Vorgabe für Halsbreite, Korpusgröße oder Korpustiefe. Eine 3/4-Gitarre des einen Herstellers kann sich in Mensur, Hals und Korpus deutlich von der des nächsten unterscheiden. Beispiel: Beim Modell Yamaha CGS102A (1/2-Größe) liegt die Mensur bei 535 mm und die Sattelbreite bei 48 mm, bei der 3/4-Variante bei 580 mm. Vergleiche bei der Wahl deshalb immer die konkreten Daten (Mensur, Sattelbreite, Korpustiefe) statt nur die Bruchzahl.

Sattelbreite und Griffbrett: warum der Hals so breit ist

Der Hals einer Konzertgitarre ist deutlich breiter als bei Westerngitarren (meist 43 bis 45 mm, teils 46 mm) und E-Gitarren (ca. 42 mm). Bei Konzertgitarren liegt die Sattelbreite typischerweise zwischen 48 und 54 mm, bei der Vollgröße meist bei 50 bis 52 mm. Das ist kein Zufall: Der Saitenabstand am Sattel beträgt häufig rund 43 bis 44 mm von der E-Saite bis zur e-Saite, gemessen von Saitenmitte zu Saitenmitte. Mit einem 52-mm-Sattel sind Abstände bis etwa 45 mm möglich, bei 50 mm Breite wird es für die äußeren Saiten am Griffbrettrand eng.

Für Einsteiger hat der breite Hals zwei Vorteile: Die Finger haben mehr Platz, sodass benachbarte Saiten beim Greifen seltener mitgedämpft werden, und die für klassisches Spiel typische Fingerpicking-Technik gelingt sauberer. Der Preis dafür ist eine größere Streckung der Greifhand. Wer kleine Hände hat, findet in Modellen mit "Small Neck" (ca. 48 mm) eine Alternative, die Mensur und Gesamtmaße unverändert lässt. Sehr kleine Hände können laut Erfahrung noch schmalere Saitenabstände bis etwa 37 mm gebrauchen, das sind aber Einzelanfertigungen.

Griffbrettbreite und Halsprofil

Das Griffbrett ist bei Konzertgitarren in der Regel flach (kein Griffbrettradius wie bei Stahlsaitengitarren) und wird zum Korpus hin breiter. Neben der Breite zählt die Halsdicke: Historische Gitarren hatten oft sehr dünne Hälse mit etwa 20 bis 21 mm am ersten Bund; heute werden die Hälse meist 1 bis 2 mm dicker gebaut. Schlanke Hälse mit ca. 20 bis 23 mm fühlen sich für manche Spieler bequemer an, andere vermissen bei Barré-Griffen und anspruchsvollen Akkorden etwas mehr Holz zum Dagegenhalten. Eine feste Regel gibt es nicht: Es ist eine Frage der Handform, deshalb gilt Probespielen vor Datenblatt.

Wenn du von einer E-Gitarre oder Westerngitarre kommst, wirkt die Konzertgitarre zuerst breit und flach. Das gibt sich erfahrungsgemäß nach einigen Wochen. Ein Wechsel auf einen schmalen Hals nur aus Gewohnheit kann dafür später den Umstieg auf Standardhälse erschweren.

Korpusgröße und Bauform

Die Gesamtlänge einer Vollgröße-Konzertgitarre liegt etwa bei 965 bis 1016 mm, bei kleineren Größen etwa bei 785 bis 915 mm. Die klassische Bauform hat einen kleineren, flacheren Korpus mit schmaler Taille als eine Westerngitarre. Das macht sie leichter, aber auch leiser und weicher im Bass. Für Kinder bedeutet ein kleinerer Korpus außerdem, dass die Gitarre auf dem Oberschenkel besser aufliegt und der rechte Arm nicht so weit nach vorn greifen muss. Die Korpustiefe schwankt je nach Modell, bei einer 1/2-Gitarre sind beispielsweise 80 bis 85 mm üblich.

Wenn Hals und Mensur passen, aber der Korpus zu groß wirkt, helfen Fußbank oder Gitarrenstütze. Eine passende Sitzhaltung gehört genauso zum Spielkomfort wie die Gitarrengröße, sie ersetzt aber keine zu große Gitarre bei einem kleinen Kind.

Cutaway: Vor- und Nachteile bei der Konzertgitarre

Ein Cutaway ist ein Ausschnitt in der oberen Zarge neben dem Hals. Er erleichtert den Zugriff auf die hohen Bünde und macht den Lagenwechsel entlang des Halses bequemer. Bei E-Gitarren ist er Standard, bei Westerngitarren verbreitet, bei klassischen Gitarren eher selten.

Formen

Man unterscheidet das runde venezianische Cutaway (Venetian), das spitze florentinische (Florentine) und das gerade, rechtwinklig zum Hals verlaufende Maccaferri-Cutaway. Bei Nylonsaitengitarren ist das runde Cutaway am häufigsten.

Klang und Lautstärke

Durch den Ausschnitt verringert sich das Luftvolumen im Korpus, und die Decke kann nicht mehr ganz so frei schwingen. Im Netz sind sich die meisten Quellen einig, dass der Klang dadurch etwas eingeschränkt wird, vor allem im Bass und in der Lautstärke. Wie stark, ist umstritten: Messwerte liegen kaum vor. Anfänger hören den Unterschied meist nicht; er fällt eher im direkten Vergleich oder im Zusammenspiel mit Gitarren ohne Cutaway auf. Die Korpusform ist außerdem nicht mehr symmetrisch.

Statik und Verarbeitung

Für den Cutaway muss die Zarge in einer engen Kurve gebogen werden, und die Decken- und Bodenverstrebung wird angepasst. Das verlangt mehr Arbeit und erklärt, warum Gitarren mit Cutaway meist etwas mehr kosten als vergleichbare ohne. Eine konkrete Aufpreisspanne ist nicht belegt und schwankt je nach Modell. Beim Gebrauchtkauf lohnt es sich, den Bereich um den Ausschnitt auf Risse, Spalten an der Zargenverleimung und Beschädigungen am Rand zu prüfen, denn dort wirken beim Biegen Spannungen.

Zugang zu hohen Lagen: brauchst du das?

Klassisches Repertoire für Einsteiger bewegt sich überwiegend in den unteren Lagen bis etwa zum 7. oder 9. Bund. Hohe Lagen werden vor allem bei Solostücken, Jazz oder Lead-Spiel wichtig. Wenn du dort schon mehr spielen willst, kann ein Cutaway sinnvoll sein; als erste Gitarre ist er selten ein Muss. Oft sind Cutaway-Modelle außerdem Hybridgitarren mit Tonabnehmer, schlankem Hals und flacherem Griffbrett für Spieler, die von der E-Gitarre kommen. Das sind andere Instrumente mit anderen Schwerpunkten als eine klassische Konzertgitarre.

Ein Cutaway ist kein Qualitätsmerkmal und keine Schwäche: Er ist ein Kompromiss zwischen Zugänglichkeit und Klang. Wenn dir der reine akustische Klang wichtiger ist, nimm die Gitarre ohne Cutaway; wenn du viel in hohen Lagen spielst oder verstärken willst, ist er eine sinnvolle Option.

Häufige Fehlkäufe

  • Zu große Gitarre fürs Kind: Der häufigste Fehler. Kinder wachsen, aber auf einer zu langen Mensur lernen sie falsche Haltung und geben schneller auf. Im Zweifel die kleinere Größe nehmen und beim Wachstum wechseln; gebrauchte Kindergitarren lassen sich gut weiterverkaufen.
  • Nur die Bruchzahl vergleichen: Mensur, Sattelbreite und Korpustiefe nachlesen, da 3/4 nicht gleich 3/4 ist.
  • Hybrid- oder Stahlsaiten-Hals: Gitarren mit schmalem Steelstring-Hals und Nylonsaiten sind keine Konzertgitarren. Sie haben andere Saitenabstände und sind für klassische Technik oft zu eng.
  • Billigstmodelle ohne Prüfung: Sehr günstige Gitarren aus dem Großmarkt haben häufig Probleme mit der Stimmstabilität und der Bundarbeit. Auch Einsteigermodelle sind oft etwas schwerer gebaut.
  • Nur nach Cutaway oder Optik entscheiden: Der Klang hängt stark von der Decke ab; ein Cutaway ersetzt keine solide Verarbeitung.
  • Zu schmaler Hals aus Prinzip: Er kann bequem sein, passt aber nicht zu jeder Hand und erschwert später den Wechsel.

Kosten

Für den Einstieg beginnen Konzertgitarren in Deutschland bei etwa 80 Euro (Stand Okt. 2026). Gute Kinder- und Einsteigermodelle liegen häufig bei etwa 130 bis 140 Euro. Laminierte Modelle kosten grob 50 bis 150 Euro, Gitarren mit massiver Decke etwa 150 bis 700 Euro, Handarbeit liegt ab etwa 800 Euro. Das entspricht dem Prinzip, dass eine fünfmal so teure Gitarre selten fünfmal besser klingt. Für Cutaway-Aufpreise und Sonderhälse gilt: je nach Händler und Modell, Angebot einholen.

Entscheidungshilfe

  1. Körpergröße und Alter: Nimm die Tabelle als Startpunkt, im Zweifel die kleinere Größe.
  2. Handspanne und Armlänge: Bei Erwachsenen unter ca. 170 mm Handspanne eine 7/8-Gitarre oder 630-640 mm in Erwägung ziehen, sonst 650 mm.
  3. Sattelbreite: 52 mm als Standard, 48 mm bei sehr schmalen Händen oder in kleinen Größen.
  4. Cutaway: Nur, wenn du die hohen Lagen wirklich brauchst oder verstärken willst.
  5. Probespielen: Setz dich hin, greife Akkorde in den unteren Lagen und einen Barré im 1. und 5. Bund. Prüfe, ob Streckung und Halsprofil bequem sind und keine Saite am Nachbarn ansteht.
  6. Gebraucht kaufen: Mensur und Sattelbreite messen, Zarge im Cutaway-Bereich prüfen, die Maße nicht aus der Bruchzahl ableiten. Mehr dazu im Ratgeber Konzertgitarre gebraucht kaufen.

Zur Einordnung der Decke und des Klangs helfen außerdem Massivholz vs. Sperrholz und Zeder vs. Fichte. Der Unterschied zwischen klassischem und Flamenco-Bau steht in Flamenco vs. Konzertgitarre.