Auf eine Konzertgitarre gehören ausschließlich Nylonsaiten (plus umsponnene Bässe). Ein Stahlsaitensatz zieht etwa doppelt so stark wie ein Nylonsatz und kann Steg, Decke und Hals einer klassischen Gitarre schädigen, teils schon beim Aufziehen. Welche Nylonsaiten für dich passen, entscheiden Material (Nylon oder Carbon), Bassumspinnung und Spannungsklasse (Low, Normal, Hard); gewechselt wird je nach Spielzeit etwa alle ein bis sechs Monate.
Warum auf eine Konzertgitarre nur Nylonsaiten gehören
Der Zug: etwa doppelt so viel
Alle Saiten einer Konzertgitarre zusammen ziehen mit rund 36 kg (ca. 80 lb) an Steg und Hals, ein Stahlsaitensatz in üblicher Stärke mit rund 72 kg und mehr (ca. 160 bis 180 lb). Die Konstruktion ist darauf abgestimmt: Die Decke einer Konzertgitarre ist leichter beleistet, das Verstrebungsmuster ist auf geringeren Zug ausgelegt, und der Hals hat meist keinen Halsstab. Selbst wenn ein Stab vorhanden ist, reicht er nicht aus, um die zusätzliche Last aufzufangen. Mehr zur Beleistung findest du im Artikel Fächerverstrebung der Konzertgitarre erklärt.
Was bei Stahlsaiten passiert
- Steg: Er kann sich lösen oder samt Deckenholz abgerissen werden.
- Decke: Sie wölbt sich zwischen Steg und Schallloch auf. Dieser Bauch kann bleibend sein und verändert Klang und Saitenlage.
- Hals: Er verzieht sich nach vorn, die Saitenlage steigt, im schlimmsten Fall bricht der Hals.
- Sattel und Saitenlage: Der Sattel einer Konzertgitarre hat breitere Kerben für die dickeren Nylonsaiten, und die Saitenlage liegt mit etwa 3 bis 4 mm höher als bei Stahlsaitengitarren (etwa 2,5 mm). Stahlsaiten sitzen schlecht und fühlen sich unangenehm an.
- Steg-Bauart: Die meisten klassischen Gitarren haben einen Steg, an dem die Saiten verknotet werden, statt Stegstiften für Kugelenden. Stahlsaiten passen dort nicht sauber hinein.
Die Schäden sind teuer, weil Reparaturen an Decke und Hals zu den aufwendigen Arbeiten gehören. Was sie kosten, hängt vom Umfang ab: je nach Werkstatt, Angebot einholen. Auf dem Gebrauchtmarkt ist eine klassische Gitarre mit Stahlsaiten ein Warnsignal. Prüfe dann Steg (Spalt zur Decke), Deckenwölbung und Halsverlauf besonders genau, siehe Konzertgitarre gebraucht kaufen. Auch ein kurzes Ausprobieren ist keine gute Idee, denn der Zug wirkt sofort.
Alternativen für Stahlsaiten-Umsteiger
Wer den Griff einer Stahlsaitengitarre gewohnt ist, aber Nylon spielen möchte, findet sogenannte Crossover- oder Hybridgitarren: Sie haben Nylonsaiten, aber einen schmaleren Hals (in der Größenordnung von 48 mm Sattelbreite), oft ein leicht gewölbtes Griffbrett, ein Cutaway und meist einen Tonabnehmer. Auch sie sind für Nylon gebaut, Stahl gehört nicht darauf. Wer wirklich Stahlsaiten will, kauft eine Westerngitarre. Zu Mensuren und Halsbreiten: Mensur und Halsbreite für Einsteiger.
Saitenmaterialien im Überblick
Diskantsaiten: Nylon, Carbon und Mischformen
Die drei hohen Saiten (e, h, g) sind blanke Kunststoffsaiten. Klassisches Nylon klingt warm, rund und verzeihend und ist die übliche Wahl für Einsteiger. Carbon (PVDF, auch Fluorocarbon genannt) ist dichter, deshalb bei gleicher Tonhöhe dünner und bei gleicher Spannung heller und klarer mit mehr Projektion. Es kann auf hellen Gitarren oder bei hartem Anschlag schneidend wirken und fühlt sich oft etwas härter an. Dazwischen gibt es Composite-Saiten und getönte Varianten: Schwarzes Nylon klingt weicher, Titan-Varianten eher brillant. Historisch wurde Darm (Schafsdarm) verwendet, wie er heute noch für historische Instrumente vorkommt.
Bässe: umsponnen mit Silber oder Bronze
Die drei tiefen Saiten (d, A, E) bestehen aus einem Nylonkern („Nylonseide“) mit Metalldraht-Umspinnung. Am häufigsten ist versilbertes Kupfer, das robust und gegen Schweiß beständig ist und warm klingt. Bronzeumspinnung klingt heller. Bässe lassen oft früher nach als die Diskantsaiten, weil sie durch Fingeröl und Schmutz schneller an Brillanz verlieren.
Welche Kombination wofür
- Einsteiger: Normal Tension, Nylon-Diskant, Silberbässe: günstig, verzeihend, passt zu fast jeder Gitarre.
- Dunkel klingende Gitarre (z. B. Zeder): Carbon oder Titan bringen Klarheit, siehe Zeder und Fichte im Klangvergleich.
- Helle, scharfe Gitarre: klassisches Nylon oder schwarzes Nylon rundet den Klang ab.
Saitenspannung: Low, Normal und Hard
Anders als bei Stahlsaiten gibt es bei Nylon keine genormten Stärken in Zoll. Sätze werden nach Spannung eingeteilt: Low/Light, Normal/Medium und Hard/High (manchmal auch Extra Hard). Die Einteilung ist nicht genormt: Der „Hard“-Satz des einen Herstellers kann etwa so stark ziehen wie der „Normal“-Satz eines anderen. Als Richtwert für den Zug eines kompletten Satzes gilt eine Spanne von etwa 37 bis 45 kg. Normal Tension liegt bei vielen Sätzen um 39 kg (ca. 86 lb), Hard Tension meist 2 bis 5 kg darüber; europäische Sätze tendieren häufig zu etwas mehr Zug als US-Sätze. Genaue Einzelwerte stehen auf den Herstellerseiten.
- Low/Light Tension: leichter zu greifen, schont die Greifhand, passt zu sehr leichten Gitarren und zartem Anschlag. Dafür leiser, weniger Fülle, und bei flach eingestellter Saitenlage kann es zu Schnarren kommen.
- Normal/Medium Tension: der Standard, auf den die meisten Gitarren abgestimmt sind. Guter Ausgangspunkt und bei Handermüdung die erste Wahl.
- Hard/High Tension: mehr Lautstärke und Projektion und leichtere Tonkontrolle (weniger Vibratömpfindlichkeit), dafür mehr Kraft in der Greifhand und höhere Belastung der Decke. Der Klang wird nicht automatisch besser; mehr Spannung kann Obertöne zurücknehmen und dumpfer wirken, besonders in hohen Lagen der dritten Saite.
Carbonsaiten sind dichter und können bei gleicher Klasse spürbar mehr Zug entwickeln als Nylon (bei der hohen e-Saite rund 22,7 lb gegenüber etwa 17,4 lb in einem Beispiel). Beim Wechsel von Nylon auf Carbon fühlt sich daher auch ein „Normal“-Satz oft härter an.
Gebrauchte oder leicht gebaute Gitarren
Da die Spannung auch die Belastung von Decke und Verstrebung bestimmt, solltest du eine ältere oder ohnehin leicht gebaute Gitarre nicht ohne Not auf deutlich höhere Spannung umstellen. Bei Anzeichen wie angehobenem Steg, Deckenwölbung oder Rissen bleibst du bei Normal oder Low, und eine Fachwerkstatt schaut sich die Statik an. Ob eine Gitarre stärkeren Zug gut verträgt, zeigt das Probieren: Gewinnt sie mit Hard Tension an Lautstärke, ohne dass der Klang eng wird? Das ist subjektiv und von der Bauweise abhängig.
Klang und Spielgefühl
Nylon ist weicher im Anschlag, wärmer und verzeiht Fehler. Carbon projiziert stärker, ist klarer und spricht direkter an, verlangt aber sauberere Technik. Die Saitenspannung beeinflusst vor allem das Spielgefühl: Hohe Spannung setzt der Greifhand und dem Anschlag mehr Widerstand entgegen, niedrige lässt die Saite weicher nachgeben. Probiere Sätze nacheinander und achte auf Lautstärke, Ansprache der Bässe, Klarheit der Höhen und Greifkomfort. Neue Saiten klingen oft in den ersten Tagen besonders hell und werden dann etwas wärmer.
Saitenwechsel Schritt für Schritt
Vorbereitung
Lege ein Tuch unter, damit die Decke geschützt ist, und halte Seitenschneider, Stimmgerät und optional einen Saitenwickler bereit. Wechsle die Saiten am besten einzeln und stimme jede neue Saite gleich mit den anderen, damit der Zug auf Steg und Decke nicht schlagartig wegfällt. Beim Austausch kannst du die Gelegenheit nutzen, Griffbrett zu reinigen und Mechaniken, Hals und Steg zu inspizieren.
Knoten am Steg
- Löse die alte Saite am Wirbel, wickle sie ab und ziehe sie am Steg aus dem Knoten.
- Führe die neue Saite durch das Stegloch, mit etwa 3 bis 4 cm Überstand.
- Lege das kurze Ende zurück über die Saite und unter ihr durch (Halbschlag). Bei den drei hohen Saiten führst du die Saite meist zweimal so herum, bei den Bässen genügt einmal (die D-Saite zweimal). Das Ergebnis ähnelt einer Acht.
- Ziehe den Knoten fest und achte darauf, dass die Schlaufe tief am Steg sitzt, damit der Saitenwinkel stimmt. Die Enden der Saiten halten sich beim Knoten oft gegenseitig fest.
Wickeln am Wirbel
- Fädele die Saite durch das Wirbelloch und lasse etwa 4 bis 5 cm Spiel in Richtung Hals, damit genug Material zum Wickeln bleibt.
- Schlage das Ende zurück über die Saite und unter ihr durch, sodass sie sich selbst klemmt (ein selbsthaltender Wickel, kein fester Knoten).
- Wickle ordentlich: Die Windungen liegen nebeneinander und laufen zur Kopfplatte hin nach unten, nicht übereinander. Als Richtwert sind 2 bis 3 Windungen bei den Diskantsaiten und 3 bis 4 bei den Bässen sinnvoll. Die hohe und die tiefe E-Saite wickelst du nach außen, die übrigen vier nach innen.
- Schneide den Überstand erst ab, wenn die Saite gestimmt ist, und niemals unter voller Spannung.
Üblich ist die Reihenfolge tiefe E, G, A, h, D, hohe e. Knicke in Nylon solltest du vermeiden, weil sie die Intonation dauerhaft stören.
Vordehnen und Stimmstabilität
Nylon dehnt sich in den ersten Tagen stark: Rechne mit zwei bis vier Tagen häufigen Nachstimmens, in der ersten Stunde nach dem Aufziehen besonders oft. Hilfreich ist, jede Saite nach dem Stimmen vorsichtig entlang der Länge vom Griffbrett wegzuziehen und dann neu zu stimmen, mehrfach wiederholt. Ein bewährter Trick: Stimme am Abend einen Halbton höher und stimme am nächsten Tag zurück, die Diskantsaiten dabei noch einmal nachziehen. Stimme immer in kleinen Schritten. Etwas Graphit (Bleistift) in den Sattelkerben beugt Knarzen und Hängen beim Stimmen vor.
Wie oft wechseln und wie pflegen
Die Angaben schwanken stark: Konzertierende wechseln teils alle ein bis zwei Wochen, Gelegenheitsspieler kommen auf ein bis drei Monate, als allgemeine Faustregel gelten drei bis sechs Monate oder rund 100 Spielstunden. Die Bässe lassen früher nach, einige Spieler wechseln sie doppelt so oft wie die Diskantsaiten. Wechselzeichen: Der Klang wird matt, die Bässe dumpf, die Saiten fühlen sich klebrig oder rau an, oder die Intonation in hohen Lagen stimmt nicht mehr.
- Wische die Saiten nach dem Spielen mit einem sauberen, trockenen oder leicht alkoholbefeuchteten Tuch ab. Schweiß und Fingeröl verkürzen die Lebensdauer deutlich.
- Halte die Luftfeuchtigkeit bei etwa 45 bis 55 %: Zu trocken klingt dünn und kratzig, zu feucht dumpf.
- Entspanne die Saiten bei Flugreise oder längerer Pause, und spanne sie danach wieder in Ruhe an.
- Eine gleichbleibende Stimmung schont die Saiten.
Kosten pro Satz
Ein Konzertgitarren-Satz kostet in Deutschland zwischen etwa 2,50 und über 35 EUR, die meisten brauchbaren Sätze liegen bei 8 bis 20 EUR (Stand Okt. 2026). Einsteiger-Nylon gibt es ab etwa 3 bis 10 EUR, bekannte Standard-Sätze in Normal oder Hard Tension kosten um 12,50 bis 17 EUR, Carbon-Sätze meist 15 bis 20 EUR (Stand Okt. 2026). Dreierpacks gibt es für etwa 28 bis 30 EUR (Stand Okt. 2026) und senken den Preis je Satz. Wechselst du alle drei Monate, liegen die Saitenkosten damit im niedrigen zweistelligen Euro-Bereich pro Quartal.
Häufige Anfängerfehler
- Stahlsaiten aufziehen (siehe oben).
- Alle Saiten gleichzeitig entspannen, sodass der Zug schlagartig wegfällt.
- Zu wenige Windungen oder ein schlechter Stegknoten: Die Saite rutscht, und der Satz bleibt nicht gestimmt.
- Kein Vordehnen: Die Gitarre verstimmt sich ständig und wirkt unzuverlässig.
- Falsche Spannung: „Hard“ gilt oft als besser, ist aber nicht für jede Gitarre oder Hand die beste Wahl.
- Zu lange Wechselintervalle: Alte Saiten klingen dumpf und intonieren schlecht, was man irrtümlich der Gitarre zuschreibt.
- Knicke und falsche Saitenreihenfolge: Sie lassen sich später nur durch einen neuen Satz beheben.
Bei Anzeichen wie abgehobenem Steg, Deckenwölbung oder verzogenem Hals gehört die Gitarre in die Fachwerkstatt, Kosten je nach Werkstatt, Angebot einholen.